Krakenangriff auf Disney-Freizeitparks

Mit der neuen Super-Achterbahn „Krake“ will Heidepark-Betreiber Merlin seinen größten Konkurrenten ärgern

Im Heide-Park in Soltau legen Techniker gerade letzte Hand an Deutschlands ersten "Dive-Coaster". Die Schussfahrt dieser Achterbahn namens "Krake" führt senkrecht in die Tiefe. Nicht nur Parkbesucher soll die Bahn das Fürchten lehren – sondern auch den Disney-Konzern.

Der Freizeitpark in der Lüneburger Heide gehört zur Merlin Entertainment Group des Briten Nick Varney. Genauso wie das Gruselkabinett Hamburg Dungeon und das Aquarium Sea Life in Hannover, die Legoland-Parks oder auch Madame Tussaud’s Wachsfiguren-Kabinette.

2007 hat Merlin den Heide-Park übernommen. 150 Millionen Euro gibt der Konzern nach eigenen Angaben jährlich für Investitionen oder Übernahmen aus. 16 Millionen fließen in die neue Attraktion „Krake“.

Wer in dieser Achterbahn sitzt, stürzt in seinem Wagen 41 Meter tief ins Maul eines Kraken, der mit seinen Tentakeln ein Schiffswrack umschlingt. Das 700-Tonnen-Stahl-Monstrum soll noch mehr Besucher in den Park locken. „Wir haben einen Dreijahreszyklus für große Investitionen. Jetzt wollten wir etwas machen, das für Deutschland einzigartig ist“, sagt Heide-Park-Geschäftsführer Hannes Mairinger unserer Zeitung.

Die Investition ist Teil einer globalen Expansions-Strategie. Varney will Marktführer Disney vom Thron stoßen. Sein Konzern betreibt heute 70 Freizeitparks in 16 Ländern auf vier Kontinenten. 15.000 Mitarbeiter umsorgen die Besucher. Im Heide-Park sind während der Saison bis zu 1000 Menschen beschäftigt. In Italien soll demnächst ein weiteres Sea-Life-Aquarium, in Wien und Blackpool je ein Madame-Tussaud's-Kabinett eröffnen. Bis 2012 entstehen Parks in Malaysia und in den USA.

Das Geschäft läuft gut: 38,5 Millionen Menschen strömten 2009 in die Parks des Unternehmens. Der Konzernumsatz betrug umgerechnet knapp 900 Millionen Euro, das Vorsteuerergebnis 272 Millionen Euro. Dem Heidepark bescherte das Jahr der Wirtschaftskrise ein Rekordergebnis. „Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage blieben die Leute in Deutschland. Das war gut für uns“, sagt Mairinger.

Das Merlin-Konzept beruhe darauf, dass sich die einzelnen Attraktionen ergänzten, statt sich Konkurrenz zu machen, sagt Mairinger. „Ist bei uns schlechtes Wetter, ist das Sealife in Hannover voll.“

Zusätzlich ist man ständig auf der Jagd nach neuen Zielgruppen. Mit Shows und Veranstaltungen sollen jetzt verstärkt Senioren in die Merlin-Parks gelockt werden. „Wir sind dabei, Schwellenängste abzubauen“, sagt Mairinger. Als ersten Schritt haben sich die Manager einen anheimelnden Namen für die ergrauten Besucher einfallen lassen: „Silverkids“ – auf Deutsch: Silberkinder.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
    Weitere Artikel aus diesem Ressort