Wolfsburg AG Vorbild für die Region
2002-12-10T19:26:00+0100Marketing-GmbH übernimmt Projektträgerschaft und beauftragt Beratungsfirma McKinsey
BRAUNSCHWEIG. Nach dem Vorbild der Wolfsburg AG wird auch in der Region Braunschweig eine strategische Partnerschaft zwischen Kommunen und Unternehmen ("Private-Public-Partnership") installiert, um Wachstums chancen besser zu nutzen und Arbeitsplätze zu schaffen.
Die Projektträgerschaft für den Einstieg übernimmt die am 30. Oktober gegründete regionale MarketingGmbH. Sie soll die Beratungsfirma McKinsey beauftragen, in den nächsten zwölf Monaten eine Analyse und einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten, wie er auch die Grundlage für den erfolgreichen Prozess der Wolfsburg AG war. Die Gesamtkosten in Höhe von rund zwei Millionen Euro werden zwischen Land Niedersachsen, Unternehmen und Kommunen aufgeteilt.
Darauf haben sich gestern bei der Öffentlichen Versicherung Braunschweig Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD), die Marketing-GmbH, Arbeitgeber, Gewerkschaften sowie Vertreter aus Kommunalpolitik und Unternehmen der Region geeinigt. "Wolfsburg ist das Vorbild. Diese guten Erfahrungen wollen wir auf die gesamte Region übertragen", erklärte Gabriel.
Das Vorhaben firmiert jetzt unter dem Namen "Projekt Großraum Braunschweig". Zum Großraum gehören die Städte Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter sowie die Landkreise Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine und Wolfenbüttel. Gesellschafter der regionalen Marketing-GmbH sind Volkswagen AG, Salzgitter AG, Großraumverband und Reson. Partner und Förderer sind IHK Braunschweig und Lüneburg/Wolfsburg, Nord-LB, Siemens AG, Alstom-LHB GmbH Salzgitter und Land Niedersachsen.
Dies ist also der Kreis, der das besondere Modell der Regionalentwicklung im Großraum Braunschweig anschiebt. Im Gegensatz zur Region Hannover, die einem vom Gesetzgeber verordneten GroßLandkreis gleichkommt, soll sich der Prozess hier künftig am gezielten Ausbau von Wachstumsschwerpunkten ("Clustern") orientieren, zum Beispiel "Biotechnologie", "Luft- und Raumfahrt" oder "Neue Materialien". Es kursieren optimistische Berechnungen, dass sich mit dem entschlossenen Generieren und Vermarkten von neuen Produkten auf Sicht eines Jahrzehnts 80 000 neue Arbeitsplätze in der Region schaffen ließen. "Mit der Hälfte wäre ich schon zufrieden", sagt Gabriel. Es handele sich um ein "Riesenpotenzial". Es gehe in diesem Prozess auch darum, neuen Unternehmen in der Gründungsphase Risikokapital zur Verfügung zustellen.
Ein Beispiel für "Cluster"-Bildung nannte Michael Doering, Vorstandsvorsitzender der Öffentlichen Versicherung. Nach Frankfurt sei Braunschweig bundesweit bezogen auf die Einwohnerzahl die Region mit den meisten Kräften bei Finanzdienstleistungen. Hier gebe es rund 10 000 Mitarbeiter, etwa bei Volkswagen Financial Services, Nord-LB, Öffentlicher, LBS, Volksbanken oder weiteren Banken. Eine Weiterentwicklung dieses "Clusters" würde Investitionen in Aus- und Weiterbildung nach sich ziehen. Eine Vernetzung der Branche mit den Hochschulen der Region mache Sinn.


