Wolfenbütteler zieht es zunehmend in die Ferne
Wolfenbüttel Einmal Teneriffa ohne Rückflugticket: Andreas Weber will Deutschland verlassen.
Auswandern ist für ihn ein zu großes Wort. „Nennen wir mein Vorhaben besser umsiedeln“, sagt der 66-Jährige. Im vergangenen Jahr waren es nach Angaben von Frank Greie, Leiter des Bürgerdienstes der Stadt, 160 Wolfenbütteler, die ins Ausland umzogen – davon waren 17 Rentner. Dabei zeigt die Statistik eine deutlich steigende Tendenz.
Im Vergleich: Zur Jahrtausendwende verließen 39 Wolfenbütteler die Stadt in Richtung Ausland, davon waren 3 über 65 Jahre alt. Insgesamt ließen sich seit 2000 rund 1330 Einwohner (95 Rentner) in einem anderen Land nieder.
Andreas Weber zieht es vor allem wegen des Klimas mit ganzjährig milden Temperaturen auf die größte Kanaren-Insel. „Da lebt es sich doch gleich ganz anders, vor allem ist das gut für die Knochen“, erklärt der gebürtige Göttinger.
Noch sind die Koffer mit den persönlichen Sachen nicht gepackt, denn der Wolfenbütteler wartet auf eine entscheidende Mail. In dieser soll ihm ein Angebot für ein Appartement offeriert werden. „Wenn das in Tüten und Papier ist, kann es umgehend losgehen.“ Fast täglich schaut der Rentner im Internet nach günstigen Flügen.
Spätestens zu Weihnachten möchte er sich eingerichtet haben in seiner neuen Umgebung. Immerhin ist die für den 66-Jährigen nicht so ganz neu, denn er hat dort schon einmal drei Jahre gelebt – damals mit seiner Partnerin, die inzwischen gestorben ist.
Seinerzeit hatte das Paar seinen Hausstand in Deutschland aufgegeben. Das will er diesmal anders regeln. Seine Wohnung wird er deswegen untervermieten. So bleibt ein letztes Hintertürchen, jederzeit zurückkehren zu können. Gesundheitliche Probleme, sagt Weber, wären ein Grund dafür. „Denn für die ärztliche Behandlung dort muss man in Vorkasse treten und das ist teuer.“
Deutschland den Rücken zu kehren, fällt dem Wolfenbütteler nicht sonderlich schwer. „Ich habe hier keine Freunde und mit meinem Bruder kann ich auch von Spanien aus telefonieren.“ Er sei halt Fernfahrer gewesen – und als solcher auch Globetrotter…
