Warum Harald Schnuch ein Betonkopf ist
Wolfenbüttel Hier eine Frau in Spitzenunterwäsche, dort eine giftig-grüne Figur mit Tentakeln, überall bunte Stelen: Dies alles hat Svantje Hille geschaffen.
Alle Gebilde haben eins gemeinsam: Sie sind aus Beton. Die 39-Jährige hat diesen Baustoff vor drei Jahren bei einem Kursus für sich entdeckt. „Ich wollte große Arbeiten machen können, ohne einen Brennofen haben zu müssen“, erklärt die gebürtige Wolfsburgerin.
Seitdem besorgt sich die Hemkenroderin Zement im Baumarkt, holt sich Sand aus einer Kuhle in Weddel und mischt das Ganze mit Wasser. Mindestens 20 Kilogramm dieses Stoffes und zirka 25 Stunden Handarbeit, so schätzt sie, stecken in einer der vielen Alien-Figuren, die dick und um die 60 Zentimeter hoch sind.
Besonders schwierig sei es, die Figuren in die Höhe oder Breite wachsen zu lassen. „Beton braucht immer ein Gerüst, weil er ansonsten immer wieder zusammensackt, so lange er flüssig ist.“ Svantje Hille verwendet dafür metallische Dinge, die sie nicht mehr braucht.
Ganz wichtig ist ihr die Farbe. Während die Alien-Serie von einem kräftigen Grün oder Rot lebt, reizt es die Physiotherapeutin vor allem, nackte Haut so zu gestalten, dass sie lebendig wirkt. Die Farbe, so sagt sie, sei auch das Teuerste an den Materialien. „Die bestelle ich extra.“
So muss jemand, er eine Figur der Künstlerin erstehen möchte, mindestens 130 Euro investieren. Dafür gibt es eine zirka 1,30 Meter hohe Stele. Die teuerste Figur, die die Mutter dreier Kinder bislang geschaffen hat, soll 2500 Euro kosten. Ihr hat Svantje Hille den Namen Harald Schnuch gegeben: Harald stehe für ihren Schwiegervater und Schnuch habe das Kalk- und Betonwerk in Hemkenrode besessen und habe für seine Arbeiter Häuser bauen lassen. In einem von diesen lebt jetzt Svantje Hille – an der Josef-Schnuch-Straße.
Langfristig, so sagt die 39-Jährige, könne sie sich durchaus vorstellen, von ihren Beton-Arbeiten auch zu leben. Ihre erste Ausstellung im eigenen Garten mit dem Titel „Beton(t) anders“ hat sie vor wenigen Tagen erst über die Bühne gebracht. Da hat sie bereits einige Auftragsarbeiten angenommen. Allerdings müssen die Kunstliebhaber Zeit mitbringen, denn alle Figuren entstehen ausschließlich im Garten, so dass die Wintermonate dafür ausfallen.
Aber: „Wer sich nichts traut, wird auch nichts“, lautet das Motto von Svantje Hille. Und so werden auch im nächsten Jahr wieder viele neue Figuren der Schnuch-Serie entstehen…
