Problemlösungen auf der Spur – Da wird Titel zur Nebensache
Wolfenbüttel Wissenschaft und Technik: für Gerhard Stebner die Erfüllung. Plagiatsvorwürfe, die jüngst vor allem Politiker betrafen, lassen den Doktoranden kalt.
„Man muss doch vor allem sich selbst gegenüber ehrlich sein“, sagt der 26-Jährige. Sein duales Maschinenbau-Studium an der Ostfalia hat er mit dem Master of Engineering, früher Diplom-Ingenieur, abgeschlossen. Bereits im sechsten Semester entdeckte Professor Christoph Hartwig von der Fakultät Maschinenbau die Talente des jungen Studenten. „Er kann alles“, sagt der 43-Jährige über den gebürtigen Mexikaner.
Also ließ der sich bis Februar 2015 von seinem Arbeitgeber VW beurlauben, um zugleich für den Automobilbauer in der Ostfalia über die Entwicklung von elektromagnetischen Aktoren wie beispielsweise Motoren zu forschen und seine Doktorarbeit zu schreiben. Hartwig betreut ihn dabei.
Wie man wissenschaftlich arbeitet, richtig zitiert, Quellen angibt und deutlich macht, was von anderen stammt, sei Stoff der ersten Semester. „Bis zum ersten Abschluss schreiben die Studenten bei uns drei wissenschaftliche Arbeiten – inklusive der Bachelorarbeit. Da muss man nur bei der ersten ein wenig hinterher sein“, sagt Hartwig. Verpflichtend sei zudem ein Kursus, der sich allein mit dem wissenschaftlichen Schreiben befasse.
Stebner machen die zunehmenden Plagiatsfälle keine Angst für die eigene Arbeit. Er ist sich mit seinem Professor einig: Während es bei den Geisteswissenschaften schwierig sei, immer wieder etwas neu zu erfinden, richteten Naturwissenschaftler und Techniker ihre Arbeiten einzig auf die Problemlösung aus. „In meinem Bereich Maschinenbau ist es eher ein Ausdruck von Qualität, etwas bei anderen gefunden zu haben, was ich für meine Aufgabe nutzen kann“, erklärt Stebner. Auf Gedanken gebe es halt kein Patent wie auf technische Erfindungen.
Aber natürlich müsse auch er auf Zitate und Quellenangaben achten – zumal mit steigendem wissenschaftlichen Grad auch die Anzahl der Quellen steige. Das sei oftmals mühselig und mache auch wenig Spaß.
Für Hartwig ist es der erste wissenschaftliche Mitarbeiter, den er zur Promotion führt. „Da ist man schon ein wenig aufgeregt, aber wir wissen auch beide, was wir können.“
Da Fachhochschulen bislang noch keine Doktortitel verleihen dürfen, ist immer auch ein Doktorvater einer Universität vonnöten. Bei Stebner wird dies ein Professor der Uni Clausthal sein. Letztlich, so Hartwig, sei dies eine Formsache. „Wissenschaft bedeutet Kreativität, um Probleme zu lösen.“ Da sei der Titel, der am Ende der Arbeit verliehen werde, reine Nebensache. „Stolz darf man aber trotzdem sein.“


