Neue Hilfe für Hund und Herrchen
Wolfenbüttel In der Stadt Hornburg gibt es seit wenigen Wochen eine Tierarztpraxis. Dr. Mareike Stelzmann hat sie eröffnet.
Die 32-Jährige hat sich einen Lebenstraum erfüllt. Sie sagt: „Schon als Kind habe ich in ein Poesiealbum geschrieben, Tierärztin werden zu wollen.“ Ganz so geradlinig lief es dann aber doch nicht.
„Ich bin lieber geritten als zu lernen“, berichtet die zierliche Frau mit dem gewinnenden Lächeln selbstkritisch. Bei der Abiturnote habe es deshalb noch Luft nach oben gegeben. Nach einer Ausbildung zur technischen Zeichnerin nahm Mareike Stelzmann schließlich doch ein Studium der Tiermedizin auf: zunächst in Budapest, später dann in München und Leipzig.
Bevor sie sich nun in Räumen des Autohauses ihres Vater selbständig gemacht hat, arbeitete sie in Praxen in Thüringen und Brandenburg. Vormittags kümmerte sich Mareike Stelzmann um Kühe, Schweine und Pferde, nachmittags standen Operationen und Kleintiere an. „Wenn man ein Kälbchen rauszieht, freut man sich riesig“, sagt sie über eine Geburt.
In ihrer Doktorarbeit beschäftigte sich die Veterinärin mit Pferden. Sie entwickelte einen Schnelltest, um bei den Tieren Tetanus-Antikörper nachweisen zu können. „Pferde sind sehr anfällig dafür“, sagt die Expertin. Infiziere sich eines mit Wundstarrkrampf-Bakterien, sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es daran sterbe. Mareike Stelzmann kann das nicht verstehen: „Die Leute sparen lieber 20 Euro für die Impfung.“
Ihre Erfindung, so berichtet sie, werde seit etwa einem halben Jahr kommerziell genutzt – beispielsweise von der Uni Gießen. „Dort wird der Test vor Operationen angewendet, wenn unklar ist, ob ein Pferd geimpft wurde.“ Eine Provision bekommt Mareike Stelzmann für die Test-Entwicklung nicht. Aber sie hegt keinen Groll: „Immerhin wurde meine Doktorarbeit finanziert.“
In Hornburg ist sie gegenwärtig die einzige Tierärztin. Zu ihren ersten „Kunden“ gehörte eine Ziege mit gebrochenem Bein. Aber auch Hund, Katze, Maus, Vogel, Rind und Pferd untersucht Mareike Stelzmann. „Mir macht das echt Spaß“, sagt sie. „Teilweise behandelt man das Herrchen gleich mit.“ Denn die Halter machten sich oft große Sorgen, wenn ihr Tier – oft ein echtes Familienmitglied – erkrankt ist.
Ihre Ausstattung hat die Veterinärin gebraucht gekauft – von Kollegen. „Ohne Röntgengerät und Ultraschall braucht man heute gar nicht mehr anfangen,“ meint sie. Kastrationen und kleine OPs seien mittlerweile reine Routine.
In einem kleinen Labor untersucht Mareike Stelzmann zudem Blut und Ausscheidungen, etwa wenn der Verdacht eines Parasitenbefalls besteht. Bei Notfällen oder nach Absprache macht die neue Tierärztin auch Hausbesuche.
