Landtagskandidat Bertold Brücher setzt auf die Gesamtschule
Wolfenbüttel Drei Leserinnen trafen sich auf Initiative unserer Zeitung mit Bertold Brücher. Der Landtagsabgeordnete der Grünen wählte die IGS Wallstraße als Ort.
Die Gesprächsthemen setzten die Leserinnen. Beim Treffen dabei waren Figen Fuest und Frauke Wunderlich, beide Lehrerinnen an der IGS Wallstraße, sowie Marlies Pönisch, Vorstandsmitglied des Kreiselternrates.
„Das ist ein dankbarer Ort. Die Gesamtschule entspricht weitgehend unseren Vorstellungen von Schulpolitik “, sagte Brücher. Die Grünen hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass es die IGS an der Wallstraße gebe.“ Das ist ein Zeichen. Endlich ist es geschehen.“
Figen Fuest hatte bereits zuvor ihre Begeisterung über die Schulform geäußert. Viel Teamarbeit gebe es im Kollegium. „Man arbeitet nicht mehr als Einzelkämpfer vor sich hin“, sagte sich auf dem Pausenhof.
Dennoch sei nicht alles prima. Der IGS Wallstraße fehle eine Oberstufe. In ein paar Jahren sei das wichtig. Frauke Wunderlich unterstützte die Forderung. „Eltern wollen die Möglichkeit, dass ihr Kinde bis zum Abitur an einer Schule bleiben können.“ Das sei ein wichtiges Kriterium bei der Schulwahl. Ohne Oberstufe sei langfristig die Existenz der IGS gefährdet.
Schon ein Wechsel von einer Fünfzügigkeit auf eine Dreizügigkeit könne helfen, meinte Brücher. „Aber man muss auch im Blick haben, was nach der mittleren Reife passiert.“ Er könne verstehen, dass Eltern verunsichert seien. Dennoch müsse man bei der Planung die verschiedenen Möglichkeiten mitdenken, zum Abitur zu kommen. „Es kann sinnvoll sein zu kooperieren. Warum soll es beispielsweise nicht auch eine Schule geben, die nur aus einer Oberstufe besteht“, versuchte er neue Vorstellungen ins Spiel zu bringen.
Marlies Pönisch nahm die gesamte Schullandschaft oberhalb der Grundschulen ins Blickfeld. „Soll es nur noch zwei Schulformen geben, Gymnasium und IGS“, fragte sie.
Den Vorstellungen der Grünen entspräche das schon, meinte Brücher. Auch ganz andere Organisationsformen seien in den Schulen denkbar. Statt in festen Klassen könne man den Unterricht in flexiblen Stufen strukturieren. Das habe den Vorteil, dass man die Potenziale der Schüler stärker fördern könne.
Unterricht am Nachmittag statt nur einer Betreuung wünschten sich Frauke Wunderlich und Figen Fuest. Dazu seien aber mehr Lehrerstunden nötig. Bei Brücher rannten sie damit offene Türen ein. „Ich würde mir ein System wünschen, wie beispielsweise in Belgien. Dort kommen die Schüler um 17 Uhr nach Hause. Dann haben sie aber auch schon alles für die Schule erledigt.“
Konsens herrschte auch beim Thema Abitur nach 13 Jahren. Die jetzige Regelung mit zwölf Schuljahren sei für viele Jugendliche viel zu stressig. „Ich weiß nicht, was man den jungen Leuten da antut. Die gehen kaputt“, sagte er auch mit Blick auf die Bachelor- und Masters-Studiengänge.
Marlies Pönisch sah das Problem in den Schulen vor allem in überfrachteten Lehrplänen. „Da muss entrümpelt werden,“ forderte sie.

