Landrat: Kitas sind für Inklusion noch nicht vorbereitet
Wolfenbüttel Landrat Jörg Röhmann (SPD) hat davor gewarnt, nach der inklusiven Schule auch gleich inklusive Kindertagesstätten zu fordern.
Die Kommune werde das Thema zwar aktiv angehen. Gleichwohl fehle es in den Einrichtungen gegenwärtig an pädagogischen Voraussetzungen. Im Jugendhilfeausschuss unter Vorsitz von Katrin Brandes (SPD) kam die Debatte nun erstmals auf die Tagesordnung. Fachberaterin Eva Birthler erklärte, dass es fortan in jeder Samt- und Einheitsgemeinde eine oder mehrere Kitas gebe, in der mindestens ein integrativer Platz angeboten werde. „Eltern wissen jetzt – egal, wo sie leben: Sie werden eine Einrichtung finden.“
Die anschließende Debatte eröffnete Grünen-Politiker Holger Barkhau. Er wunderte sich, dass das präsentierte regionale Konzept ohne den Begriff Inklusion auskomme und fragte nach den Perspektiven. Röhmann teilte zunächst mit, dass der Landtag die inklusive Schule beschlossen habe und diese zum Schuljahr 2013/2014 landesweit eingeführt werde. Hintergrund: Auf der Basis der UN-Behindertenrechtskonvention sollen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam lernen können. Inklusion bedeutet dabei: Jede Schule muss sich den Bedürfnissen der Schüler anpassen und nicht umgekehrt.
Laut Röhmann wären der Landkreis und die beauftragten Kommunen mit inklusiven Kitas zum derzeitigen Stand schlichtweg überfordert. „Nicht jeder Kindergarten wird baulich und personell dazu in der Lage sein.“ Der Landrat forderte den Gesetzgeber auf, für rechtliche Klarheit zu sorgen.
Elke Großer (CDU) empfahl nachdrücklich, zeitig über Inklusion in Kitas nachzudenken. Röhmann: „Wir müssen erst die Schulen in Gang bringen.“ Es reiche nicht, es gut zu meinen. Inklusion müsse auch gut umgesetzt werden.
Als Vertreter der Wohlfahrtsverbände gab Ulrich Hagedorn zu bedenken: „Nicht nur das Personal, auch die Kinder müssen auf die Inklusion vorbereitet sein.“
SPD-Vertreter Martin Albinus kritisierte derweil das zuständige Ministerium. Es sei „Blödsinn“, bei Kindern ab dem sechsten Lebensjahr die Inklusion vorzuschreiben und bei jüngeren auf das Integrationsmodell zu setzen. „Das kann auf Dauer nicht funktionieren.“ Albinus plädierte: „Wir sollten uns in Inklusionsrichtung bewegen.“

