Kunden der Tafel Schladen unterschrieben für Rita Hottendorf
Wolfenbüttel Mit Protest haben Kunden der DRK-Tafel in Schladen auf den Rauswurf der ehrenamtlichen Helferin Rita Hottendorf reagiert.
Es war der erste Öffnungstag seit dem Eklat. Vergangenen Freitag hatte das Rote Kreuz überraschend die sofortige Trennung von der Ehrenamtlerin verkündet. Aus Solidarität mit Rita Hottendorf trat daraufhin das achtköpfige Helferteam der Tafel geschlossen zurück. Die Kunden Isabell Becker und Silvio Lutze sammelten am Mittwoch Unterschriften für eine Wiedereinsetzung der inoffiziellen Leiterin.
Rund um die Ausgabestelle herrschte dichtes Gedränge. Berichte unserer Zeitung hatten offenbar das allgemeine Medieninteresse geweckt: Sogar zwei Fernsehteams filmten an der Alten Schule. Kunden äußerten ihr Unverständnis über das Vorgehen des DRK. Immer wieder fielen dabei Worte wie „ungerecht“, „nicht nachvollziehbar“ oder „Schweinerei“.
Isabell Becker hält den Vorwurf, Rita Hottendorf habe sich nicht an Richtlinien gehalten, für vorgeschoben. „Wahrscheinlich hat man eine unbequeme Kraft loswerden wollen, die sich zu stark für die Tafel-Kunden engagiert hat“, glaubt sie. „Frau Hottendorf kennt jeden Kunden mit Namen. Sie hat immer ein offenes Ohr. Und sie behandelt uns alle mit Respekt.“ Gegenüber unserer Zeitung sagte der ehemalige Tafel-Helfer Oswald Hermann Bremer zu der verfahrenen Situation: „Wenn man einen Hund schlagen will, findet man auch einen Knüppel.“
DRK-Mitarbeiter aus Wolfenbüttel hielten derweil den Betrieb aufrecht. Auch Samtgemeindebürgermeister Andreas Memmert half mit, Kunden zu versorgen. Die Auslagen waren mit Brot, Wurst, Gemüse und Joghurt gefüllt. „Normalerweise liefert ein Wagen“, berichtete Isabell Becker. „Heute kamen zwei.“ Zuletzt hatte es von verschiedenen Seiten Kritik an der Warenlieferung gegeben. Das DRK hatte diese zurückgewiesen.
Kämpferisch zeigte sich Rita Hottendorf vor ihrer alten Wirkungsstätte. Pressevertretern drückte sie mehrseitige Stellungnahmen in die Hand. Im Gespräch bekräftigte sie ihre Kritik und widersprach der Darstellung, dass es nach Regelverstößen mehrere klärende Gespräche mit ihr gegeben habe: „Das stimmt nicht.“ Zudem bemängelte sie, dass das DRK die Schladener Tafelkinder „von Aktionen immer ausgeschlossen hat“. Anders als in der Wolfenbütteler Tafel seien auch Schulmaterialien nie ausgegeben worden.
Gerne hätten wir an dieser Stelle die Position des DRK widergegeben. Doch Andreas Ring, Vorstand des Kreisverbands Wolfenbüttel, sagte nach einem TV-Interview vor Ort nur: „Ich bin eigentlich krankgeschrieben und habe jetzt genug Interviews gegeben.“ Fragen unserer Zeitung wollte er nicht beantworten.
Unterdessen teilte Memmert mit, dass er weiter auf eine einvernehmliche Lösung des Problems setze. Am Dienstagabend hatte er sich mit den ehemaligen Tafel-Helfern sowie hauptamtlichen DRK-Mitarbeitern zu einem Krisengespräch getroffen. Ergebnis: „Die Ehrenamtlichen haben ihre Bereitschaft erklärt, sofort weitermachen zu wollen, wenn Frau Hottendorf zurückkehren kann.“
Memmert: „Es gab Regelverstöße und Probleme in der Kommunikation. Aber jeder hat eine zweite Chance verdient.“ Der Samtgemeindebürgermeister will in der nächsten Woche mit DRK-Vorstand Ring darüber sprechen, ob eine Rückkehr Rita Hottendorfs noch möglich ist.
Diese kündigte derweil an, dass Tafel-Kunden nicht auf ihre Weihnachtsfeier verzichten müssen. „Das wird der Hornburger Verein Stöberstübchen organisieren.“



