Inklusion – Schulen wollen mehr Personal
Wolfenbüttel Im März hat der Landtag das „Gesetz zur Einführung der inklusiven Schule“ beschlossen. Viele Schulen stellt das Gesetz vor große Herausforderungen.
Für Rainer Tacke, Rektor der Haupt- und Realschule Sickte, ist Inklusion selbstverständlich. Schon seit mehreren Jahren gibt es an der Schule Integrationsklassen, in denen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. „Bei uns wird sich durch die Einführung der inklusiven Schule nicht viel ändern“, sagt Tacke. „Wir wissen ja auch noch gar nicht, wie viele Eltern sich dafür entscheiden werden. Bisher haben wir noch keine Anfragen.“
Tacke hofft, dass durch das Inklusionsgesetz neue Stellen für Sonderpädagogen geschaffen werden. „Wir haben immer die Erfahrung gemacht, dass der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern gut funktioniert, aber es muss für ausreichende sonderpädagogische Unterstützung gesorgt werden“, sagt er. Dem schließt sich auch Iris Kahmann-Cortés, Koordinatorin an der Großen Schule in Wolfenbüttel, an: „Wir können uns eigentlich nur fortbilden und müssen dann abwarten, was kommt.“
Laut Gudrun Wollschläger, Leiterin des Schulamtes des Landkreises, steht noch nicht fest, wie viele Stellen im Kreis für Sonderpädagogen geschaffen werden. „Einige Schulen wollten schon zum Schuljahr 2012/2013 inklusiv werden, haben es dann aber doch nicht gemacht, weil die personelle Ausstattung unsicher war“, sagt sie. „In den Schulen besteht jetzt die Angst, dass die personelle Situation nicht ausreicht, um den Bedarf der Kinder zu befriedigen.“ Trotzdem habe man sich im Landkreis gegen die Bestimmung von Schwerpunktschulen entschieden. Bis 2018 dürfen Schulträger diese Schulen noch übergangsweise zur Aufnahme behinderter Kinder ausweisen. Dann müssen alle Schulen inklusiv sein. „Wir finden, dass die Bestimmung von Schwerpunktschulen dem Inklusionsgedanken widerspricht“, sagt Wollschläger. „Außerdem ist das in so einem großen Landkreis von den Entfernungen her gar nicht umsetzbar.“
In der Stadt Wolfenbüttel wird es zunächst Schwerpunktschulen geben. „Wir werden uns noch im Oktober mit den verschiedenen Schulformen zusammensetzen und für die unterschiedlichen Förderbedarfe Schwerpunktschulen bestimmen“, sagt Rabea Hohl, Leiterin der Schulabteilung der Stadt. „Den Schulen bleibt dann natürlich immer noch die Herausforderung der pädagogischen Gestaltung.“
Für Klaus Bätcke, Behindertenbeauftragter der Stadt, ist klar, dass sich auch die regulären Lehrkräfte auf die Inklusion vorbereiten müssen. „Viele haben ihre Ausbildung unter ganz anderen Voraussetzungen angefangen. Wir brauchen also eine veränderte Ausbildung für Lehrer aller Schularten“, sagt er. Außerdem müsse sich das Unterrichtsklima an Schulen ändern. „Inklusiver Unterricht muss stressfrei gestaltet werden“, so Bätcke. „Der Druck, der derzeit an Schulen herrscht, ist Gift für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf.“



