Herzblut für eine Vision in Afrika
Wolfenbüttel Ihre Leidenschaft für Afrika teilt Julia Noehring wohl mit Millionen Menschen. Für ein Wasserprojekt in Kenia sucht sie jedoch noch Mitstreiter.
Vor sechseinhalb Jahren reiste die Wolfenbüttelerin das erste Mal in den Mbeere-District des ostafrikanischen Landes, um eine Freundin zu besuchen. Bei der Gelegenheit lernte sie Sunya Nyaga kennen. Die gebürtige Österreicherin, erklärt Noehring, habe einen Kenianer geheiratet und das gemeinnützige Projekt Green Paradise Project now ins Leben gerufen.
„Der dortige Bürgerkrieg hat eine Hungersnot zur Folge gehabt. Die Einheimischen haben die Wälder abgeholzt, um zu überleben. Das wiederum hat Dürreperioden hervorgerufen, die die Ernte auf den Halmen verdorren lässt“, erklärt die studierte Landwirtin, die seit einigen Jahren als Heilpraktikerin tätig ist.
Zwölf Kilometer seien die Frauen früher zum Fluss gegangen, um in 20-Liter-Kanistern Wasser für die Familie zu holen. Seit drei Jahren gebe es in dem Beritt wenigstens einen kleinen Brauch- und Trinkwassertank.
Bei der Idee für die Bewässerung, so Julia Noehring, gehe es vor allem um Hilfe zur Selbsthilfe. „Den Menschen soll nicht einfach etwas vorgesetzt werden, sondern sie werden von Beginn an mit einbezogen, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken.“
60 000 Euro, so sagt sie, werden als Startkapital gebraucht, um die Wasserentnahmestelle, Material für die Rohrleitungen Wassertanks, Saatgut und Setzlinge zu kaufen sowie Dämme zu errichten. Profitieren sollen davon 2000 Bewohner. Mit dem Wasser gebe es wieder eine Ernte. Die Menschen könnten sich wieder selbst versorgen und Geld einnehmen. Damit wiederum könnten sie das Schulgeld für ihre Kinder bezahlen. „Da greift eins ins andere.“
Die 57-Jährige berät die Kenianer bei ihren Aufenthalten über Anbau-Variationen, bringt Saatgut ins Land und zeigt ihnen, wie sie ihren Wunderbaum Moringa Oleifera nutzen können als Nahrungs-, Futter- und Düngemittel sowie Medizin. Im Sommer hat die Wolfenbüttelerin dort mit einer Käseproduktion begonnen. „Frischkäse von der Ziegenmilch machen wir schon, jetzt folgt Feta“, sagt sie. Dabei hat sie sich zuvor Hilfe von einem Ziegenbauern im Landkreis geholt.
Schon Anfang November wird sie wieder nach Kenia fliegen – diesmal für zwei Monate. Auch eine Umsiedlung nach Afrika schließt sie nicht aus. „Weil mein Herz einfach da ist.“
Wer sich selbst ein Bild von dem Projekt machen möchte, kann dies am Mittwoch, 31. Oktober, ab 19.30 Uhr, im Filmpalast an der Langen Straße tun. Dort zeigt Julia Noehring den von Sunya Nyaga gedrehten Film „Wenn es regnet, sind wir glücklich“. „Er gibt in einer halben Stunde die Vision wieder, dass in dem Gebiet Wasser sein wird“, erklärt Julia Noehring. Sie selbst steht im Anschluss für Fragen zur Verfügung. Der Eintritt ist frei, Spenden für das Projekt sind überaus willkommen. Bislang seien erst 4000 Euro zusammengekommen.
