Ein Projekt bietet Sport für muslimische Frauen
Wolfenbüttel „Young Mothers“ heißt ein Integrationsprojekt der Freiwilligen-Agentur. Es ist ein Sporttraining für muslimische Frauen.
Christiane Becker hat das Projekt auf die Beine gestellt und bietet die Übungsstunden montags ehrenamtlich an. Vom Bundesverband der Freiwilligenagenturen wurde es jetzt mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.
Das Training beginnt ganz entspannt. Christiane Becker macht die Übungen vor. Die 18-jährige Schülerin stellt sich auf der Tanzfläche in der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt vor den großen Spiegel, breitet die Arme auseinander und macht dann große kreisende Bewegungen.
Hinter ihr haben sich etwa zehn Frauen aufgestellt. Fast alle sind Musliminnen. Ihre Haare haben sie unter Kopftüchern versteckt und – zumindest solange Männer im Raum sind – ziehen sie auch ihre Mäntel nicht aus. Der Körper soll fremden Blicken entzogen sein. Sport treiben wollen sie trotzdem.
Sie habe nach einem sozialen Projekt gesucht, in dem sich engagieren konnte, erzählt Christiane Becker. Zunächst habe sie bei Break One mitgemacht, einer Gruppe der Freiwilligen-Agentur, die mit Seniorinnen Hip-Hop tanzt. Dabei sei sie den Musliminnen begegnet. Es war eine Gruppe junger Mütter, die sich samstags und sonntags in den Räumen der Awo trafen, um zu beten. „Wir haben sie gefragt, ob sie Sport machen wollen“, sagt die ausgebildete Trainerin.
Zunächst habe Skepsis geherrscht. Zur ersten Übungsstunde seien nur sechs oder sieben Frauen gekommen. „Ich war die einzige Nicht-Muslimin“, erinnert sich die Berufsschülerin. Das Interesse sei aber schnell gewachsen. Muslimische Frauen hätten in Wolfenbüttel keine Möglichkeiten, in einem Fitness-Studio unbeobachtet Sport zu treiben: „Aber hier können sie das.“
Hülya Yalain ist mit Begeisterung dabei. Ganz vorne in der ersten Reihe macht sie das Training mit und lächelt dabei. Seit sechs Monaten gehöre sie dazu, sagt sie in der Pause: „Ich will gesund bleiben, und ich wollte schlanker werden.“
„Wir sind Hausfrauen. Wir haben nachmittags Zeit, aber bislang hatten wir keine Möglichkeit, etwas für uns zu tun“, sagte eine andere Frau.
Auch ihr Mann sei begeistert, dass sie regelmäßig zum Training gehe, berichtet Resmiye Yalcin: „Er will das auch. Er hat schon gefragt, warum es so etwas nicht auch für türkische Männer gibt.“
Etwa 20 Frauen kommen laut Christiane Becker zu den Trainingsstunden:. „Manche bringen ihre Kinder mit. Und ein paar Seniorinnen der Awo sind auch dabei.“
Es gehe um mehr als Sport und Bewegung. Die Gruppe treffe sich auch zum Kaffeetrinken. „Wir sprechen dann über Ernährung und Schönheit und darüber, wer welchen Mascara-Stift benutzt.“ Die anfänglichen Vorurteile seien schnell verschwunden.


