Architekt: Wolfenbüttel kann stolz auf das Theater sein
Wolfenbüttel Der Architekt des neuen Lessingtheaters, Professor Hans Struhk, referierte über Baufortschritte an der Spielstätte. Diese soll im Mai 2013 öffnen.
Rund 50 Zuhörer nahmen an einem Lichtbild-Vortrag teil, zu dem der Kulturstadtverein eingeladen hatte. Laut Struhk seien von dem 1909 errichteten Gebäude außer Wänden und Boden nicht viel übrig geblieben. Struhk veranschaulichte: „Wir haben das Theater auf ein Tablett aus Stahlstützen gestellt und wie ein Maulwurf die Erde unter dem Haus herausgekratzt.“
Auch im Inneren sei vieles, aber eben auch nicht alles verändert worden. Besucher der Spielstätte müssten deshalb aber nicht befürchten, einen komplett anderen Veranstaltungsort aufzusuchen. Im Gegenteil: In enger Absprache mit der Denkmalpflege sei es gelungen, den Charakter des Theaters zu bewahren und selbiges zu modernisieren.
Rhetorisch geschliffen und mit großer persönlicher Leidenschaft erzählte Struhk von Schwierigkeiten und Glanzleistungen am Bau – etwa den Zement-Injektionen, die unter das Theater gespritzt wurden, um es in dem morastigen Untergrund fest verankern zu können.
In dem eher spätklassizistischen Objekt seien zudem äußerst interessante Schablonenmalereien entdeckt worden. „Leider war der Kalkputz marode, und wir mussten ihn abschlagen“, berichtete Struhk. Deshalb wären nur wenige Gliederungselemente erhalten geblieben.
Die Seitenanbauten, im Volksmund Wintergärten genannt, verliehen dem massiven und kompakten Haus eine neue Leichtigkeit. Neu sei zudem die komplette Theatertechnik. Ferner erhalte die Spielstätte eine Be- und Entlüftungsanlage, die unter dem Gebäude untergebracht sei. Im Untergeschoss – Struhk: „kein Keller“ – befänden sich zudem Garderoben und Toiletten.
Vom Foyer aus könne das Untergeschoss per Treppe und Aufzug erreicht werden. Einen Fahrstuhl zum ersten und zweiten Rang werde es aus bautechnischen Gründen allerdings nicht geben. Zuhörer bedauerten das. Im Dachgeschoss sei ferner eine Wärme-Rückgewinnungsanlage untergebracht.
Die neue Regie soll in offener Form im ersten Rang eingebaut werden. Bei der Beleuchtung der Bühne setze man auf langlebige LED-Technik. „Sie haben von jedem Platz aus eine gute Sicht“, versprach Struhk.
Rund 700 Sitze soll es im Lessingtheater geben. Dabei zählte der Architekt auch das mobile Mobiliar in den Wintergärten sowie rund um die neue Studiobühne mit. Im Parkett würden 262 Sitze eingebaut, 36 weniger als bislang. Neu sei der versenkbare Orchestergraben.
Die Stahltreppen des Theaters seien verstärkt worden, die Brüstungen auf den Rängen marode gewesen. Struhk: „Wolfenbüttel kann stolz sein, dass die Stadt ein solches Bauvorhaben auf die Beine stellt.“ Dr. Sandra Donner, Geschäftsführerin des Kulturstadtvereins, dankte dem Referenten für den sehr anschaulichen Vortrag. Nunmehr könne man es kaum mehr erwarten, das sanierte Theater endlich zu betreten.


