Lokales

Punker-Szene am Schloss unerwünscht

Junge Menschen hocken auf Bierkästen am Ritterbrunnen, während Passanten mit Einkaufstüten vorbeieilen

Norbert Jonscher

Der Schlosspark existiert nicht mehr, dort steht jetzt das Schloss. Doch die einstige Park-Szene lebt an alter Stelle weiter. Rund ums Schloss treffen sich Tag für Tag junge Menschen, die auf Bierkästen hocken, während Passanten mit Einkaufstüten vorbeieilen.

Die Tatsache, dass die jungen Leute die Plätze für sich entdeckt haben, sie mit Leben erfüllen, stößt nicht auf ungeteilte Freude. Mancher Gastronom sieht es nicht so gern. Bereits der Anblick der ungepflegt wirkenden Punks, der Emos und all der anderen alternativen jungen Menschen störe Gäste.

"Hochintelligente Leute"

Es gebe ständig Beschwerden, erklärt Aslan Bahcet, Inhaber des "Tandurino", der im Prinzip nichts gegen die Schloss-Freunde habe. "Das sind vielfach ganz hochintelligente Leute, aus gutem Elternhaus." Und dennoch passten sie, so nah an den Freisitzen, nicht ins gastronomische Ambiente. "Wie die da rumlungern, das geht gar nicht."

Der Platz lebt – und das ist gut so. Findet auch Stadtplaner Walter Ackers. Die einstige Schlosspark-Klientel, sagt er, sei damals "sauber aus der öffentlichen Wahrnehmung ausgeblendet gewesen". Sie habe sich nun an alter Stelle neu etabliert: am Ritterbrunnen und vor allem auch auf dem neu gestalteten Herzogin-Anna-Amalia-Platz, der Menschen zum Verweilen einlädt.

Dass junge Menschen diese Plätze so intensiv nutzen, sei positiv, sagt Ackers. Der öffentliche Raum sei nämlich gerade dazu da, um bevölkert zu werden. Und die Heterogenität der Stadtbewohner müsse sich im öffentlichen Raum widerspiegeln. "Der Lebensraum Stadt soll die unterschiedlichen Auffassungen und Verhaltensweisen der Menschen dokumentieren." Es sei schließlich ein Wesensprinzip der Stadt, dass man in ihr Fremdem begegnet, anders als im Dorf.

Erneut warnt der Stadtplaner davor, den öffentlichen Raum weiter zu privatisieren und zu kommerzialisieren, wie dies z.B. durch die Vermietung von immer größeren Sondernutzungsflächen an die Gastronomie geschehe – mit der Folge, dass Wirte darüber entscheiden, wer sich dort aufhalten darf und wer nicht. "Es ist nicht richtig, den öffentlichen Raum auf bestimmte Käuferschichten auszurichten."

"Platz nicht okkupieren"

Natürlich sei es auf der anderen Seite nicht tolerierbar, dass Gruppen Plätze okkupieren, sie für sich allein beanspruchen. "Das ist auch nicht in Ordnung."

Noch wenig zu tun hatte in diesem Jahr die Polizei mit den Schloss-Freunden. "Sie verhalten sich grundsätzlich friedlich, und das Trinken von Alkohol auf dem Brunnenrand ist ja auch nicht verboten", erklärt Sprecher Wolfgang Klages. Es gebe aber nicht wenige Bürger, die darin ein Problem sähen. Aber: Der Platz sei nunmal attraktiv und jeder habe das Recht, dort zu sitzen.

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Veröffentlicht: 13.05.2010 - 22:00 Uhr
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