Pflege unter Druck: Mehr Kontrollen
2007-09-07T22:50:00+0200Politiker fordern strengere Prüfung der Heime – Als Einzelfall schildern wir das Ende eines Wachkoma-Patienten
BRAUNSCHWEIG. Die Pfleger sind gestresst. Die Menschen sind verunsichert. "Wenn ich in Ihr Heim komme, muss ich dann vielleicht verdursten?", fragte eine Frau beim Beratungsgespräch in einem Braunschweiger Altenheim.
Die Wohlfahrtsverbände warnen vor Schwarzmalerei in der Pflege-Debatte. Der Bericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen stellte jüngst fest, dass jeder zehnte Heimbewohner durch miese Versorgung gesundheitlich Schaden nimmt.
Die Politik will die Missstände nicht hinnehmen. Nordrhein-Westfalens Sozialminister Karl-Josef Laumann fordert mehr Kontrollen. Seine niedersächsische Kollegin Mechthild Ross-Luttmann sagt: "Die Veröffentlichung der Kontrollberichte kann ein Weg sein."
"Wir tun schon alles für die Qualität", versichert Lothar Stempin, Direktor des Diakonischen Werkes der braunschweigischen Landeskirche. Gleichwohl gebe es diese Probleme:
Die Pflegesätze in Niedersachsen sind die niedrigsten in Deutschland. Der Wettbewerb mit gewerblichen Anbietern wird immer härter.
Die Altenpfleger leiden unter dem schwindenden Ansehen ihres anstrengenden Berufes.
Als Einzelfall erzählen wir, welche Vorwürfe die Partnerin eines verstorbenen Koma-Patienten gegen ein Heim erhebt.
FAKTEN:
Der Wettbewerb: Niedersachsen hat mit 45 Prozent den höchsten Anteil privater Heimplätze in Deutschland. Von den 28 in Braunschweig zugelassenen Pflegediensten sind 22 privat.
Die Aufsicht: Die Verantwortung für die 1300 niedersächsischen Alten- und Pflegeheime liegt bei den Kommunen.
Die Belastung: Einer Krankenkassen-Studie zufolge sind nur 13 Prozent der Altenpfleger nach fünf Jahren noch in dem Beruf tätig.


