Lokales

Neuer Asse-Schacht in Schutzgebiet?

Uwe Hildebrandt und Thomas Stechert

Das Bundesamt für Strahlenschutz möchte den für die Rückholung des Atommülls erforderlichen neuen Asse-Schacht V in einem FFH-Schutzgebiet bohren. Doch Wolfenbüttels Landrat will das nicht – Jörg Röhmann steckt als Chef der Unteren Naturschutzbehörde in einem Interessenkonflikt.

"In einem solchen FFH-Gebiet so etwas zu machen, ist ungleich zeitintensiver und schwieriger; das gilt für den Schacht V und das Zwischenlager", sagt Röhmann. Er könne sich das eigentlich nicht vorstellen. Als Landrat steht er auch der für Schutzgebiete zuständigen Unteren Naturschutzbehörde vor – Röhmann, der für eine Rückholung des Atommülls eintritt, müsste den Eingriff in die Natur also selbst genehmigen.

Das Zwischenlager, in das der aus den Asse-Tiefen geborgene Atommüll gebracht werden soll, sollte idealer Weise dicht beim Bergungsschacht V liegen – dann müsste der Müll nicht durch die Landschaft kutschiert werden. Auch das Zwischenlager könnte somit also im FFH-Gebiet geplant werden.

Im BfS in Salzgitter liegt nach Informationen unserer Zeitung ein Szenario für den Fall bereit, dass das Schacht-V-Projekt scheitert. Demnach würden die Rückholung des Atommülls, der Personal-Transport und die Bewetterung komplett über den bestehenden Schacht Asse II erfolgen. Es ist aber fraglich, ob das überhaupt genehmigt würde – die Folgen eines Unfalls wären dann kaum absehbar.

Fakten:
Von 1967 bis 1978
wurden nach Angaben des ehemaligen Betreibers, Helmholtz-Zentrum München, 125.787 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in insgesamt 13 Kammern der Schachtanlage Asse II eingelagert. Zwei Kammern liegen im mittleren Teil und zehn in der Südflanke des Bergwerks in einer Tiefe von 725 bis 750 Meter unter der Erde. Ausschließlich mittelradioaktive Abfälle wurden von 1972 bis 1977 in eine Kammer eingelagert, die in einer Tiefe von 511 m liegt.

Die Abfälle stammen zum größten Teil aus dem Betrieb kerntechnischer Einrichtungen sowie in geringen Mengen aus der Verwendung von radioaktiven Stoffen in Forschung, Industrie und Medizin. Typische Abfälle sind Filter, Schrott, Flüssigkeiten, Schlämme oder Mischabfälle.

Der weitaus größte Teil der rund 47.000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle stammt aus den Anlagen der heutigen Kernkraftwerksbetreiber E.on, Vattenfall Europe, RWE und EnBW.
(Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz, Salzgitter)

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Veröffentlicht: 07.07.2011 - 00:54 Uhr
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