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Lokales

„Mut, Stärke und ein offenes Ohr“

Christian Kerl und David Mache

Gut sieben Wochen ist der Bundespräsident im Amt, er war schon in Paris, Rom und Warschau. Aber einen solchen Empfang haben Christian Wulff und seine Gattin Bettina noch nicht erlebt: „Welcome Mr. President“ singt eine Country-Band, als das Präsidentenpaar Freitagabend auf einem roten Teppich durch das Brandenburger Tor schreitet.

Dann brandet Beifall auf, Blumenmädchen überreichen einen bunten Strauß, und die Wulffs strahlen um die Wette: Der Pariser Platz, die gute Stube der Hauptstadt, ist ihnen zu Ehren in eine riesige Tafel verwandelt worden.

An vier festlich weißen Tischreihen unter weißen Zeltdächern sitzen im Abendlicht 1500 Bürger, jetzt begrüßen sie den Präsidenten und die First Lady – er im dunklen Anzug, sie im weißen Hosenanzug – mit langem Applaus.

Es ist ein ehrliches, herzliches Willkommen. Die Menschen sind für diesen Abend aus ganz Deutschland angereist, ausgewählt von namhaften deutschen Medien, darunter unserer Zeitung. Sie können, sie sollen stellvertretend für alle Bürger ins Gespräch kommen mit dem Staatsoberhaupt, sagt Marie-Luise Weinberger von der Initiative Werkstatt Deutschland, die diese Tafel mit Hilfe von Spendern organisiert.

Und das gelingt. Auch weil Wulff an dieser Begegnung sichtlich Vergnügen findet. „Eine wunderbare Idee“, dankt er für die Einladung und verspricht vorab, jede Idee der Bürger ernst zu nehmen und wenn möglich umzusetzen.

Die Gäste nehmen ihn beim Wort. Nach wenigen Minuten ist Wulff mit den ersten Bürgern ins Gespräch vertieft: Es geht um Anti-Gewaltinitiativen in Brandenburg, um Kindererziehung, um Hilfe für Pakistan. Wulff kommt kaum zum Essen, immer wieder bittet jemand um Gehör, viele haben ein kleines Präsent dabei. Der Präsident weiß inzwischen, wie groß die Kluft ist zwischen den Bürgern und ihren politischen Repräsentanten. Erst am Morgen hat er betroffen geschildert, wie viele Briefe mit kritischen Worten über „die Politik“ ihn erreichen. Jetzt arbeitet er selbst daran, die Kluft zu schließen.

Zwischendurch sprechen ausgewählte Gäste einen Toast. Pater Eckart Höfling etwa, der seit 50 Jahren in Brasilien arme Kinder betreut: Er ruft Wulff auf, vor allem den Frieden weltweit zu fördern und „Hüter der deutschen Einheit“ zu sein.

Später hat der Braunschweiger Martin Pauli einen großen Auftritt: Er übergibt Wulff eine DVD, auf der die Zukunftswünsche vieler Bürger gesammelt sind, zusammengetragen von den Veranstaltern. Der 20-jährige Wasserbauer am Schifffahrtsamt Braunschweig wurde ausgewählt, weil er im Wiedervereinigungsjahr 1990 geboren wurde.

Mit Blick auf das Brandenburger Tor, an dem einst die Mauer fiel, ruft der Präsident dazu auf, jetzt andere Mauern einzureißen und Brücken zu bauen. Er wolle zum Zusammenhalt des Landes beitragen, verspricht Wulff.

Schade sei nur, sagt er augenzwinkernd, dass er an diesem Abend nicht mit allen 1500 Gästen sprechen könne – aber es werde ja weitere Gelegenheiten geben.

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Veröffentlicht: 20.08.2010 - 22:00 Uhr
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