Korruption wuchert in Deutschland
Nach VW-Zulieferer-Skandal jetzt auch Affäre bei Philips – "95 Prozent der Fälle werden nicht bekannt"
BRAUNSCHWEIG. "Die Dunkelziffer bei Korruption ist extrem hoch", erklärt der Braunschweiger Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe.
Justiz und Polizei in Braunschweig gehen deshalb in die Offensive. Sie veranstalten ein Seminar, um Behördenvertreter für das Thema zu sensibilisieren. "Es geht darum, Vertrauen zu schaffen, damit wir Korruption nachhaltiger aufklären können", sagt Ziehe.
Bis zu 95 Prozent der Fälle von Bestechung würden nicht bekannt, schätzt der Korruptions-Experte Peter von Blomberg. Immer mehr werde Korruption deshalb zur Chef-Sache, sagte er unserer Zeitung.
Gestern wurde bekannt, dass ein neuer Korruptions-Skandal die Wirtschaft erschüttert. Wie die "Financial Times" berichtet, sollen Mitarbeiter des niederländischen Elektronikkonzerns Philips Einkäufer von Elektronik-Märkten bestochen haben, darunter Media-Markt und Saturn. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen mehr als 100 Beteiligte. Erst im Juli war die Zahlung von Schmiergeldern des französischen Automobil-Zulieferers Faurecia auch an Mitarbeiter von VW, Audi, und BWM bekannt geworden. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh kritisierte gestern in diesem Zusammenhang, die Kontrollen seien unzureichend gewesen.
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