Hannover ist Ufo-Hauptstadt
In keiner anderen deutschen Stadt wird so viel Außerirdisches gesichtet
HANNOVER. Ausgerechnet die als bodenständig geltende Landeshauptstadt bringt Deutschlands führenden Ufologen in Wallung: Auffällig viele Beobachtungen unbekannter Flugobjekte werden aus Hannover an die Beobachtungsstelle in Mannheim gemeldet.
"Was ist nur in Ihrer Stadt los?", fragte Werner Walter, Leiter der Ufo- Meldestelle, jetzt in Hannover nach. In diesem Jahr wurden bereits zehn Ufo-Sichtungen aus der Stadt gemeldet. Walter ist kein Spinner, sondern Experte – ein in diesem Fall besonders wichtiger Unterschied. Seit 1989 gehen er und seine ebenfalls ehrenamtlichen Kollegen vom "Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene" Hinweisen auf Ungewöhnliches am Himmel nach.
Privat begann der Einzelhandelskaufmann schon 1976 mit der Analyse von Sichtungen unbekannter Flugobjekte. Als die Hysterie mit Filmen wie "Independence Day" hochschwappte, schrieb Walter ein Buch zum Thema: "Die Ufos? Meteore und Ballone, Scheinwerfer oder Laser." Peine sei auch öfters dabei, Wolfsburg schon von Anfang an, sagt Ufologe Walter.
Dass Walter mittlerweile wieder gut zu tun hat, ist äußerst irdisch zu erklären. Der Grund für die Anrufe sind "Himmelslaternen". Die Party-Artikel sind Papierbeutel mit Drahtgestell, die von einer Flamme in die Luft getrieben werden.
Anders als in Nordrhein-Westfalen und Bayern sind die Lichter in Niedersachsen nicht verboten. Statt wie vor den Lampion-Zeiten rund 70 Anrufe pro Jahr hat Walter nun schon bis Mitte August knapp 900.
Seinen Anrufbeantworter hat er längst abgeschafft – die Rückrufliste wäre viel zu lang. Und ob es Außerirdische gibt oder nicht, ist Walter mittlerweile mehr oder minder egal. "Bei streckenweise 100 Anrufen zu jeder Tages- und Nachtzeit finde ich das Thema nicht mehr prickelnd", hat er der "taz" gesagt.


