Lokales

Biker-Konvoi schlängelt sich bis zum Dom

Thomas Saalfeld und Karsten Mentasti

16 Motorradfahrer sind im Vorjahr auf den Straßen im alten Regierungsbezirk Braunschweig tödlich verunglückt. Zu deren Gedenken sind am Samstag rund 5000 Biker vom Salzgitteraner Rathaus aus in einem Konvoi nach Braunschweig aufgebrochen.

„Das Geräusch der Motoren ist die schönste Melodie“, schwärmt Anna Stermann. Die 76-Jährige aus Braunschweig schmiegt sich an ihren Sohn Heinz (45); der lenkt ein schweres, japanisches 1300-ccm-Motorrad und hat seiner Mutter einen Herzenswunsch erfüllt: Die erste Teilnahme an der Motorradgedenkfahrt vom Salzgitteraner Rathaus zum Gottesdienst im Braunschweig Dom. In der Karawane fuhren Mutter und Sohn Stermann über die Harzautobahn 395 nach Braunschweig, um den 16 im Vorjahr bei Unfällen getöteten Motorradfahrern im Bereich der Polizeidirektion Braunschweig zu gedenken.

„Seit 50 Jahren habe ich auf keinem Motorrad mehr gesessen, als meine Kinder geboren wurden, verschoben sich die Prioritäten“, sagt Anna Stermann. Seither war sie Stammgast, wenn die Biker bei der Gedenkfahrt seit 24 Jahren in ihre Heimatstadt strömten. Diesmal waren die Rollen vertauscht. Sohn Heinz chauffierte seine Mama zum Dom und vom Straßenrand winkten ihre Kinder, Schwiegertochter Jannete, Enkel und Urenkel an der Braunschweiger Münzstraße der Seniorin zu, für die Zweiradbenzin ein ganz besonders Parfüm ist.

Wie in den Vorjahren wurden beim ökumenischen Gedenkgottesdienst im Braunschweiger Dom für jeden der im Jahr 2010 tödlich verunglückten Motorradfahrer – 14 aus dem Bereich der Polizeidirektion Braunschweig und 2 aus dem Südharz – Kerzen angezündet und vor die mit den Vornamen und Alter der Verstorbenen versehenen Holzkreuze gestellt. Die Kerzen sollen dort noch einige Tage brennen, kündigten die Pfarrer Reinhold Arnold und Heinrich Ploch an.

Unter die Besucher in dem zu Beginn des Gottesdienstes gut gefüllten Gotteshaus hatten sich neben den Teilnehmern der Gedenkfahrt auch nahe Angehörige der Verunglückten gemischt. „So schön unser Hobby auch ist“, erklärte im Dom Motorradfahrerin Anja Uhlenhaut von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Motorradfahrer (acm), „es ist kein Menschenleben wert.“ Ihr Kollege Bernd Spätlich erinnerte daran, dass bundesweit der Trend der tödlich verlaufenen Verkehrsunfälle mit Motorradfahrern rückläufig sei – „aber in unserem Bezirk hat die Zahl der Toten zugenommen“.

Dompfarrer Christian Kohn appellierte an alle Motorradfahrer, bei ihren Fahrten sich weder selbst zu überschätzen noch Allmachtsfantasien zu erliegen. „Wer beim Fahren von Restrisiko spricht, der verschleiert, dass das Risiko eines Unfalls immer voll und ganz bestehen bleibt“, erklärte Kohn weiter.

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Veröffentlicht: 01.05.2011 - 16:21 Uhr
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