Atommüll bleibt wohl im Asse-Schacht
2011-12-22T17:01:00+0100Ein Abteilungsleiter des Bundesamtes für Strahlenschutz geht nicht mehr davon aus, dass der Atommüll aus dem Schacht Asse II geborgen werden kann.
Das verrät ein interner Brief, der unserer Zeitung vorliegt. „Insgesamt deuten alle dargestellten Indikatoren darauf hin, dass im Verlauf der nächsten Monate bis gegen Ende 2012 eine Sachlage eintreten wird, die eine weitere Verfolgung der Stilllegungsoption ,Rückholung’ als sicherheitstechnisch nicht mehr vertretbar erscheinen lässt“, heisst es in dem von einem Abteilungsleiter des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter unterzeichnetem Vermerk, der dem Bundesumweltministerium zugestellt wurde. Das dem Vermerk vorausgegangene Anschreiben vom 25. November hat die BfS-Vizepräsidentin Stefanie Nöthel unterschrieben.
Ein Sprecher des BfS erklärte gestern jedoch, dass das gesamte BfS weiterhin
die Rückholung des Atommülls favorisiere. Das derzeitige schleppende Verfahren
gefährde jedoch das Vorhaben, hier bestehe Handlungsbedarf. Die dem Vermerk zu
Grunde liegende Einschätzung sei zudem allein aus bergbau-technischer Sicht
erfolgt.
Bisher hatte die von dem Grünen Wolfram König geführte Behörde stets
die Rückholung des Atommülls als oberstes Ziel bezeichnet.
Derzeit wird die Anbohrung der erste Atommüllkammer vorbereitet. So soll ermittelt werden, in welchem Zustand sich die Kammern und der Atommüll befinden und ob eine Rückholung möglich ist. Allerdings verzögert sich das Genehmigungsverfahren seit Monaten – der Asse-Betreiber, das BfS, tut sich schwer damit, die weitreichend Auflagen des Niedersächsischen Umweltministeriums zu erfüllen.
Mit dem Vermerk aus dem BfS wird die Befürchtung der Bürgerinitiativen genährt, dass die Ministerien eine Rückholung des Atommülls intern ablehnen. Die Initiativvertreter fordern, dass der Müll ans Tageslicht geholt wird, weil sie angesichts des fortlaufenden Wassereinbruchs in den Schacht unter anderem eine Verseuchung des Grundwassers befürchten. Schon jetzt muss das BfS im Schacht dauerhaft radioaktive Lauge auffangen und entsorgen.
„Die Veränderungen des Grubengebäudes bewirken einen ständigen weiteren Sicherheitsverzehr“, heißt es in dem Vermerk, und schließlich: „Ich schlage vor, bereits jetzt alle fachlichen und kommunikativen Vorbereitungen für eine Aufgabe des Projekts ,Rückholung’ zu treffen.“


