Asse - "Eine regionale Verseuchung droht"
2011-12-27T21:51:08+0100Bürgerinitiativen aus der Region fordern, den Atommüll mit Nachdruck aus dem einsturzgefährdeten Atommülllager Asse II im Kreis Wolfenbüttel herauszuholen. Bei einer bloßen Verfüllung drohe eine regionale Grundwasserverseuchung.
Der Asse-II-Koordinierungskreis rechterfertigt seine Warnung mit einem "hydrogeologischen Strömungsmodell". Gegner einer Bergung des Atommülls hätten die Weihnachtsruhe genutzt, um ihre Vorstellungen zu verbreiten, erklärte Koordinierungskreissprecher Andreas Riekeberg.
Die Wolfenbütteler Atom-Ausstiegs-Gruppe will Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) auffordern, Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) abzusetzen. Zum Weihnachtsfest hatten Zitate aus federführenden Behörden für Aufregung bei den Bürgerinitiativen und für Verwirrung in der Bevölkerung gesorgt. So hatte Sander in einem Zeitungsinterview den lange gehegten Verdacht genährt, dass das Landesumweltministerium als Genehmigungsbehörde die Rückholung des Atommülls gar nicht will: "Für uns war immer klar, dass die größte Gefahr entsteht, wenn man die einzelnen Fässer rausholt."
Zuvor war ein Vermerk eines Abteilungsleiters des Asse-Betreibers Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter bekanntgeworden, in dem auch dieser von einer Rückholung abrät. BfS-Sprecher Florian Emrich betonte aber: "Das oberste Ziel bei der Schließung der Asse ist die langfristige Sicherung von Mensch und Umwelt. Das ist nach dem aktuellen Stand nur durch die Rückholung der Abfälle möglich."
Minister Sander versuchte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung, sein Zitat zu relativieren. Auch er befürworte im Interesse der Anwohner eine Rückholung. Er fühle sich aber durch den BfS-Vermerk "an der Nase herumgeführt". In diesem werde in vielen Punkten dargelegt, dass eine Bergung des Mülls nicht mehr sicher möglich sei. Sander: "Die Faktenerhebung dauert laut BfS jetzt 7 bis 9 Jahre. Wir waren von 3 Jahren ausgegangen. Die Bewertung sieht jetzt ganz anders aus." Eine Bergung des Mülls wird mit jedem Jahr schwieriger, weil sich der Schacht-Zustand verschlechtert.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wollte gestern erneut nicht auf aktuelle Fragen zur Asse antworten.


