Zeitzeuge berichtete Wolfsburger Schülern von der Nazi-Zeit
Wolfsburg Wie fühlte es sich an, Mitglied der Hitlerjugend werden zu müssen? Wie gefährlich war der Widerstand? Zeitzeuge Heinz Koch berichtete.
„Wir haben versucht, uns gegen die Einflüsse der Nazis auf unser Leben zu wehren. Aber 1944 mussten wir Mitglied der Hitlerjugend werden.“ Das berichtete Heinz Koch. Der 83-Jährige war am Montag im Rahmen der Antifa-Woche der IG Metall Wolfsburg im Delphin-Kino zu Gast und sprach als Zeitzeuge vor Schülern.
Koch erzählte von den Zuständen zu damaliger Zeit. Musik, Frisur, Kleidung – alles sei von den Nazis vorgeschrieben gewesen. Er habe lange Haare getragen und nicht auf seine Freunde gehört, die ihm zum Kürzen geraten hatten. Bei einem öffentlichen Appell sei er dann wegen seiner Frisur „öffentlich verdroschen“ worden. Regelmäßig habe er sich Prügeleien und Gefechte mit der Hitlerjugend erlaubt. „Die Hitlerjugend war ein konkreter Feind, mit dem man sich schlagen konnte“, sagte Koch. Im Nachhinein müsse er jedoch zugeben, damals als Jugendlicher viel riskiert zu haben.
Koch berichtete auch von der Willkür, der die Menschen seinerzeit ausgesetzt waren. Alle hätten Angst gehabt, wegen irgendwelcher Kleinigkeiten verhaftet und in ein Konzentrationslager gesperrt zu werden. Dort drinnen habe zu jeder Zeit und aus allen möglichen Gründen gemordet werden können.
„Man war der Willkür der Gestapo und jedes SS-Angehörigen ausgesetzt“, sagte Koch. In den Konzentrationslagern habe es die verschiedensten Möglichkeiten der Hinrichtung gegeben. Die Menschen seien erschossen oder erhängt worden. Doch auch derart zusammengetreten seien welche worden, dass sie in einer Pfütze ertrunken seien.
Als er 15 Jahre alt gewesen sei, sei er mit einer Panzerfaust ausgerüstet und zum Volkssturm eingezogen worden, berichtete er. Die Amerikaner seien am Westufer der Saalebrücken positioniert gewesen. Ein Feldwebel der Luftwaffe habe ihn seinerzeit gefragt, ob sein Vater Mitglied in der Partei sei. Als er dies verneinte, habe er ihn bei sich im Keller versteckt. Eindrucksvoll schilderte Koch, was er zu jener Zeit erlebt hatte. Er berichtete von Angst und Schrecken des deutschen Volkes. Immer wieder beantwortete er auch die Fragen der Schüler.
