Wolfsburger Baustreit – Täter drohten, Ehefrau zu schänden
Wolfsburg Was ein Stuckateur im März in einem Wolfsburger Lokal erlebte, klingt wie das Skript eines Mafia-Films.
Gegen eine Geldauflage hat das Amtsgericht am Dienstag einen Prozess gegen vier Männer eingestellt. Die ihnen vorgeworfene Tat klang allerdings wie das Skript eines Mafia-Films. Laut Anklage hatten sich zwei der Männer im März mit einem Geschäftspartner verabredet. Treffpunkt war ein Geschäftsraum in der Innenstadt, den die beiden Angeklagten zu einem Lokal umbauen. Das spätere Opfer war zuständig für den Innenausbau.
Als der Stuckateur eintraf, warteten neben seinen Auftraggebern sechs weitere Männer auf ihn. Zwei davon saßen am Dienstag ebenfalls auf der Anklagebank, auch sie hatten das Opfer mit Arbeiten beauftragt. „Ich saß auf einem Stuhl. Einer der mir unbekannten Männer sagte, ich müsse die Arbeit ohne Bezahlung fortsetzen. Ein anderer Unbekannter hielt mich fest, sie schlugen mich.
Einer der beiden setzte mir außerdem den Zeigefinger an die Stirn und drohte, mich zu erschießen. Vorher wollten sie aber meiner Frau und meiner Tochter schlimme Dinge antun, bei denen ich zusehen müsse“, so das Opfer. Zwei Stunden habe die Tortur gedauert, selbst wenn der herzkranke Mann auf die Toilette ging, sei er begleitet worden.
Dem Vorfall waren Streitigkeiten um den Ausbau des Lokals vorangegangen. Der Innenausstatter war aus finanziellen Gründen in Verzug geraten. Seine Auftraggeber stellten die Zahlungen ein, er die Arbeit. Auch mit den anderen beiden Angeklagten – zwei Brüdern – hatte es Unstimmigkeiten beim Bau in deren Privatwohnung gegeben.
„Am schlimmsten waren die Drohungen gegen meine Familie“, erzählte das Opfer. Aus Angst bot es an, alles zu tun, was die Männer wollten. Und so verlangten sie innerhalb von drei Tagen 10 000 Euro. Als Pfand behielten die Täter einen Anhänger voll Werkzeug, den das Opfer an seinem Wagen hatte.
Die beiden Lokalbetreiber ließen durch ihre Anwälte am Dienstag nur mitteilen, dass es ein Treffen gegeben habe, allerdings hätten sie sich nur über das Bauvorhaben unterhalten wollen. An Straftaten seien sie nicht beteiligt gewesen. Tatsächlich sagte auch das Opfer aus, dass die beiden die prügelnden Männer zwischendurch zurückhielten und sich später in einem Telefonat für den Vorfall entschuldigten. Das Opfer hat die Arbeiten in dem Lokal inzwischen sogar beendet. Die angeklagten Brüder äußerten sich gar nicht.
Da der einzige neben dem Opfer geladene Zeuge nicht auftauchte, entschied das Gericht, sich in einem Rechtsgespräch zu einigen. Über die kommenden sechs Monate muss jeder der Angeklagten nun 750 Euro in Raten zahlen. Ist das geschehen, wird das Verfahren eingestellt.



