Vorsfelde – Polizei zeigt vorerst kein Bild des Verdächtigen
Wolfsburg Nach der Gewalttat in Vorsfelde könnte die Polizei das Foto des Verdächtigen veröffentlichen. Sie tut es nicht – und hat dafür gute Gründe.
Sie wissen wie er heißt, wo er wohnt, wie er aussieht: Der 36-jährige Verdächtige, der in der Nacht auf Sonntag eine 46-jährige Vorsfelderin lebensgefährlich verletzt haben soll (WN berichteten), ist auch ansonsten kein Unbekannter bei der Polizei. Körperverletzung, Eigentumsdelikte – die Liste mit Vorfällen ist lang. Und noch etwas weiß die Polizei: Der Verdächtige ist ein Einzelgänger, Freunde und Bekannte gebe es kaum.
Trotzdem: Foto und Namen des Mannes werden die Fahnder vorerst nicht veröffentlichen. Denn für eine sogenannten Öffentlichkeitsfahndung gibt es hohe rechtliche Hürden. Das hat seinen Grund – denn wird das Foto eines Verdächtigen in der Öffentlichkeit erstmal mit einem Verbrechen in Verbindung gebracht, bleibt auch im Falle der Unschuld meist etwas hängen.
„Es ist ein erheblicher Grundrechtseingriff. Davor müssen alle anderen Ermittlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sein“, so Polizeisprecher Sven-Marco Claus. Zudem liegt die Entscheidung, das Foto des Flüchtigen in die Öffentlichkeit zu bringen, nicht bei der Polizei. „Die Staatsanwaltschaft muss das beantragen, ein Richter muss es genehmigen“, so Claus.
Doch auch die Staatsanwaltschaft sieht noch keinen Grund, von der Öffentlichkeitsfahndung Gebrauch zu machen. „Das würde sich ändern wenn man davon ausgehen müsste, dass andere Ermittlungstaktiken nicht zum Erfolg führen“, erklärt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Birgit Seel. Noch aber hätten nicht einmal Befragungen stattfinden können, da beide Opfer, die Vorsfelderin und ihr 26 Jahre alter Sohn, noch immer nicht vernehmungsfähig seien. Die 46-jährige Frau schwebt noch immer in Lebensgefahr, ist aber stabilisiert. „Es ist noch nicht bekannt, was genau eigentlich vorgefallen ist. Wir gehen aber derzeit von einem versuchten Tötungsdelikt aus“, so Seel.
Die Polizei sucht weiter nach dem mutmaßlichen Täter, der 1,86 Meter groß sein soll, kurze Haare habe und vermutlich einen Drei-Tage-Bart trage. Wie die Frau und ihr Sohn genau verletztet wurden, bleibt weiterhin aus ermittlungstaktischen Gründen geheim.

