Süchtige rekrutieren Komplizen
Wolfsburg Mit Karl Maslo, einem ehemaligen Süchtigen, ist im Hallenbad das aufrüttelnde Stück „Süchtig. Relativ komischer Stoff“ über die Bühne gegangen.
Ob Spielen, Stehlen oder Trinken – Abhängigkeiten gibt es viele. Anlässlich des 35-jährigen Bestehens der Suchtkrankenhilfe Goethestraße 33 wurde Donnerstagabend das Stück „Süchtig. Relativ komischer Stoff“ im Hallenbad gezeigt.
Schauspieler Karl Maslo brachte das Stück auf die Bühne, das Autor Mark Lundholm geschrieben hat. „Es wird Ihnen nicht alles gefallen, was ich heute Abend hier oben mache“, kündigte Maslo gleich zu Beginn an. „Hier ist es wie im wirklichen Leben“, fügte er hinzu. Und da ist es eben nicht immer lustig. Schonungslos und teilweise grausam wird es da für den ein oder anderen.
Mit Jeans, schwarzem Shirt, schwarzer Jacke und schwarzem Hut bekleidet, betrat Maslo die Bühne. In Monologen ging er auf Erlebnisse rund um verschiedene Süchte ein. Doch dann ließ er auch wieder sieben Stimmen sprechen, die teilweise in seinem Kopf miteinander zu diskutieren begannen.
„Ich wusste sehr früh, dass wir anders waren als andere“, beschrieb er seine Familie. Statt des Nachnamens hätten auch Wut, Frust oder Angst auf dem Klingelschild stehen können. „Meine Mutter trank, weil sie Alkoholikerin war. Mein Vater trank, weil er mit Mutter verheiratet war.“ Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Der Sohn stand oft davor, verprügelt zu werden. Denn: „Alkoholiker verletzen die am meisten, die ihnen am nächsten stehen.“
Auf anschauliche Art zeigte Maslo die verschiedenen Welten von Süchtigen und Nicht-Süchtigen auf. „Ein Filmriss hat für Sie sicherlich etwas mit Kino zu tun“, sagte er. Mit einem Marsriegel im Hinterteil nackt vor einem Puff aufgewacht zu sein, assoziiere er damit.
Überhaupt gebe es so viele Dinge, die „Unsüchtige“ nicht tun würden. „Sie fahren nicht unter Drogen Auto und kaufen keine Hehlerware.“ Zudem schließen sie Freundschaften: „Ich rekrutiere Komplizen.“
Mal bissig, mal fordernd, dann wieder wütend, anschließend ausgeglichen, skizzierte Maslo verschiedene Szenen. Treffend berichtete er aus der Welt eines Süchtigen und ging auf dessen Wahrnehmungen ein. Als Vergleich dazu zeigte er immer wieder die Welt der Nicht-Süchtigen.
Das Stück unterhielt und stimmte zugleich nachdenklich.
