Staatsanwaltschaft klagt Skandal-Arzt an
Wolfsburg Wegen Abrechnungsbetrug in Höhe von 105 000 Euro hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Wolfsburger Mediziner erhoben.
Dieser Arzt hatte in den vergangenen Jahren alles getan, um seinen Berufsstand in Verruf zu bringen. Die Liste seiner Verfehlungen ist lang: Er fasste einer Patientin an die Brust, stahl in einer Apotheke, beging Fahrerflucht, leistete sich eine Falschaussage, beschuldigte einen anderen zu unrecht, enthielt Handwerkern ihren Werklohn, stellte falsche Diagnosen beim Dienst in der Ärztlichen Notdienstzentrale, ließ seine Praxis vergammeln, lagerte alte Patientenakten offen zugänglich im Flur eines Gebäudes, wo er Zimmer an Prostituierte vermietet haben soll. 2010 wurde ihm die Zulassung zur Behandlung von Kassenpatienten entzogen.
Nun droht dem Mann erneut juristischer Ärger. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Birgit Seel, bestätigte auf Nachfrage der WN: „Gegen den Wolfsburger Mediziner ist Anklage zum Amtsgericht Wolfsburg erhoben worden, da er ärztliche Leistungen seiner aus der Praxis ausgeschiedenen Ehefrau zu Unrecht gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet haben soll, obwohl er fachärztliche Leistungen nicht erbracht hat.“
Das Geld, das sich der Arzt erschummelt haben soll, stammte aus der Gesamtvergütung der Ärzteschaft. Die KV errechnete einen Schaden in Höhe von 105 000 Euro und sah damit die Grenze von einer möglichen Fahrlässigkeit hin zum Vorsatz weit überschritten. Die KV behielt deshalb Honorarzahlungen an den Arzt vorsorglich ein. Der klagte zwar dagegen, unterlag jedoch vor dem Sozialgericht.
Parallel erstattete die KV Anzeige. Im Juni 2010 führten Ermittler in Wolfsburg Razzien im Haus und in der Praxis des Beschuldigten durch. Zwei Umzugskartons mit Unterlagen, Patientenakten und fünf Computer wurden sichergestellt.


