„Gute Basis für weitere Zusammenarbeit“
Wolfsburg Der Aufsichtsrat stellt sich hinter Stadtwerke-Vorstandschef Kästner – Offenbar aber nicht alle Mitglieder.
Nachdem der Aufsichtsrat der Stadtwerke Freitagvormittag tagte, wurde fünf Tage lang an 125 Worten für eine Pressemitteilung gefeilt, die gestern verschickt wurde (siehe unten). Darin kommt zum Ausdruck, dass das Kontrollgremium vor allem eins möchte: Ruhe im Betrieb und keine kritischen Fragen mehr. Stadtwerke-Chef Frank Kästner wird der Rücken gestärkt – aber nicht von allen Mitgliedern des Aufsichtsrates.
Kästner hatte im September 2010 bestätigt, dass er von dem Treiben des Betriebsredakteurs – und jetzigem Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat – Maik Nahrstedt wusste, der behauptete, er sei zwischen 2001 bis 2009 die Hälfte der Arbeitszeit für die CDU tätig gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb gegen Nahrstedt. Das Verfahren gegen ihn, den früheren Stadtwerke-Chef Markus Karp sowie Ex-Oberbürgermeister Rolf Schnellecke ist noch nicht abgeschlossen. Die frühere Unternehmensleitung verlangte von Nahrstedt Schadensersatz in Höhe von 335 000 Euro.
Gegen Kästner ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen Untreue. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt. Für diesen Frieden an der juristischen Front musste Kästner allerdings 15 000 Euro Geldbuße zahlen (WN berichteten exklusiv). „Mehrheitlich“, so heißt es in der Pressemitteilung, sieht der Aufsichtsrat mit Kästner eine „gute Basis für die weitere Zusammenarbeit“.
Zur Ruhe kommt das Unternehmen allerdings nicht. Anfang August war die Stadtwerke-Verwaltung das Ziel einer Großrazzia. Die Polizei geht Hinweisen nach auf angebliche krumme Geschäfte des Prokuristen mit einem Mitarbeiter der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg. Aus dem Aufsichtsrat gab es dazu keinen Kommentar – ebensowenig zur brisanten Post an die Ratsmitglieder, die Ende August Werner Langner, dem Ehemann der früheren Aufsichtsrätin, verschickte. Darin waren Berichte von Wirtschaftsprüfungsunternehmen, in denen mögliches Fehlverhalten von Stadtwerke-Mitarbeitern aufgelistet wurde. Offenbar wurden vom Unternehmen keine disziplinarischen Maßnahmen eingeleitet. Die Fristen sind mittlerweile abgelaufen. Die Revision, die bei Verdachtsfällen prüft, ist Kästner unterstellt.
Einen Fragenkatalog unserer Redaktion an Aufsichtsratschef Hans-Georg Bachmann sowie Kästner ließen beide unbeantwortet.
Die Pressemitteilung des Aufsichtsrats im Wortlaut
In der Sitzung des Aufsichtsrates der Stadtwerke Wolfsburg AG am vergangenen Freitag, 12. Oktober, informierte Vorstand Dr. Frank Kästner die Mitglieder des Aufsichtsrates darüber, dass das Ermittlungsverfahren im Rahmen der sogenannten Stadtwerke-Affäre gegen ihn gegen Zahlung einer Auflage eingestellt wurde.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Georg Bachmann dazu: „Der Aufsichtsrat wertet dies mehrheitlich als klares Ergebnis und sieht eine gute Basis für die weitere Zusammenarbeit mit dem Vorstand, da die Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Auflage weder ein Schuldeingeständnis noch eine Strafe darstellt.“
Darüber hinaus erklärt der Oberbürgermeister Klaus Mohrs, dass er die Arbeit des Vorstandes sehr schätzt und Dr. Kästner die notwendige Ruhe in das Unternehmen gebracht hat, die für eine Weiterentwicklung und Neuausrichtung der Unternehmensgruppe Stadtwerke Wolfsburg notwendig ist.
