Feuerwehreinsatz an der Herdplatte
Wolfsburg In unserer Serie „Wolfsburgs starke Seiten“ stellen wir Ehrenamtliche aus der Stadt vor. Volker Hinze sorgt bei Feuerwehreinsätzen für Verpflegung.
Die Bilder haften im Gedächtnis: An Heiligabend gegen 12.37 Uhr gingen die Melder los. Wohnungsbrand in Sülfeld, ein Haus im Bruchmühlenweg stand in Flammen. Die Freiwilligen Feuerwehren Sülfeld, Ehmen, Fallersleben, die Berufsfeuerwehr – alle Züge raus. 70 Mann waren am Ende im Einsatz, stundenlang bekämpften sie das Feuer. Es gibt Fotos von diesem Tag, große Wasserfontänen, die dampfend auf das Feuer treffen.
Einer ist auf diesen Fotos nicht zu sehen: Volker Hinze. Er stand mit seinem Versorgungswagen, Funkkennzeichen Florian Wolfsburg 89-69-1, einige Meter vom Einsatzort entfernt, dort, wo kein Fotograf mehr auf der Suche nach aufregenden Motiven ist. Bemerkt haben dürften ihn andere – die Einsatzkräfte selbst. Denn Hinze versorgte mit seiner Mannschaft die Feuerwehrmänner mit dem, was sie in diesen Momenten dringend benötigen: Wasser und isotonische Getränke.
Volker Hinze ist Chef des Versorgungszugs der Freiwilligen Feuerwehr Fallersleben. Er wird dann gerufen, wenn es richtig brennt, wenn sogenannten Großschadenlagen die Einsatzkräfte über Stunden an die Grenze der Belastbarkeit bringen. Hinze sorgt dafür, dass sie durchhalten können. Getränke sind das wichtigste, aber auch etwas zu Essen, Brötchen, eine Suppe. Hinze ist Herr über einen Versorgungswagen, eine Feldküche und – seit neuestem – einer Edelstahlküche im Feuerwehrhaus Fallersleben. Ein solcher Versorgungszug ist einzigartig in Wolfsburg. Mit seinem Team aus Horst Thiele, Sascha Nowotnik, Günther Knobloch und seiner Frau Maren kocht er außerdem bei Großübungen und Veranstaltungen. Nächster Einsatz: die geplante Bombenentschärfung am kommenden Sonntag.
Als er den Job vor 15 Jahren antrat, gab es diese Ausrüstung noch nicht. „Da haben wir schon bisschen was geschafft.“ Stolz darauf? Hinze zögert kurz. Große Töne sind nicht seine Sache. „Doch, ja. Wenn man mal so überlegt.“
41 Jahre ist er jetzt alt, bei der Feuerwehr Fallersleben ist er seit 24 Jahren. „Seit dem 1. Dezember 1988.“ An das Datum erinnert er sich, ohne eine Sekunde nachzudenken. „Das hat sich irgendwie eingebrannt.“ Für den damals 17-Jährigen war der Gang zur Feuerwehr keine große Frage: Er stammt aus einer Feuerwehrfamilie. Der Großvater war dabei, der Vater. Und später dann er, der Sohn. Geboren 1971, aufgewachsen in Fallersleben, verließ er mit seinen Eltern 1977 die Stadt. Mit 17 kam er wieder, als Bäcker-Lehrling. Den Kontakt nach Fallersleben hatte er vorher nie verloren. „Mein älterer Bruder ist gleich hiergeblieben, meine Ferien habe ich oft hier verbracht.“ Bei der Bundeswehr lernte er dann während seines Wehrdienstes, was es heißt, für das leibliche Wohl von ganzen Zügen verantwortlich zu sein. Man setzte ihn in der Versorgung ein.
Als dann vor 15 Jahren der damalige Küchenchef der Feuerwehr Fallersleben Wolfgang Böhm sein Amt abgab, ergriff Hinze die Gelegenheit und meldete sich freiwillig. „Viele haben damals gesagt: ‚Das bekommst du nie und nimmer hin‘“, erinnert sich Hinze.
Er bekam es hin – und zwar ziemlich gut.
Der neue Stolz des Küchenzuges ist die Edelstahl-Küche, die inzwischen im Feuerwehrhaus eingebaut ist. „Eine alte Küche der Bundeswehr. Wir sind hingefahren, haben sie selbst aus- und hier wieder eingebaut“, erzählt Hinze. „Wenn sich eine solche Gelegenheit ergibt, muss man einfach zugreifen.“
20 bis 30 Stunden ist der Küchenchef monatlich für die Feuerwehr im Einsatz. Man muss aufpassen, dass die Zeit für die Familien nicht zu knapp wird, meint Volker Hinze. Da geht es ihm wie seinen anderen rund 100 Kameraden in Fallersleben, die viel Zeit und Energie in die freiwillige Arbeit stecken. Sein Vorteil: Der 41-Jährige hat inzwischen auch seine Frau Maren und seine zwölfjährige Tochter mit dem Feuerwehr-Virus infiziert. Beide sind ebenfalls aktiv.
Volker Hinze kocht aber nicht nur im Notfall – auch bei Großübungen und geplanten Veranstaltungen rückt das Küchenteam aus Fallersleben aus. Das gibt dem Team die Gelegenheit, auch mal ein bisschen zu experimentieren. „Wir haben eigentlich schon alles einmal gemacht – vom Schnitzel bis zu Speckbohnen“, sagt er. Einmal – während einer Fahrt zu einer Übung in Bad Bevensen – haben sie hinten im Wagen Semmelknödel gedreht. Für mehr als 200 Menschen. „Netter Versuch. Aber das macht man auch kein zweites Mal“, sagt Hinze und lacht.
Er ist Feuerwehrmann, kein Koch. Er schiebt normale Dienste, nimmt an den Fortbildungen teil, „man muss technisch auf dem Stand bleiben“. Trotzdem hat ihn die Arbeit in der Küche nicht mehr losgelassen. „Es macht Spaß, etwas Eigenes zu schaffen, etwas auszuprobieren und auf die Beine zu stellen.“ Und ganz besonders Spaß macht es dann, wenn er von den Kameraden die vier Worte hört, für die jeder Küchenchef lebt: „Hat super geschmeckt, danke.“ Hinze hört sie inzwischen recht häufig.



