Es war einmal – das Radio
Fallersleben Eine Begeisterung für historische Kisten eint die Mitglieder des Radio-Stammtisches. Seit 20 Jahren treffen sie sich einmal im Monat zum Fachsimpeln.
Achtung Geschichte! Und gar nicht angestaubt, sondern sehr lebendig. Immer noch, auch nach Jahrzehnten. Wenn man die Gegenstände, die von Mitgliedern zu einem besonderen Stammtisch im Alten Fallersleber Brauhaus mitgebracht werden, einschaltet, erfüllen moderne Töne den Raum. Es sind historische Radios.
Am Samstag feierte der Radiostammtisch, dessen Mitglieder sich den Empfängern von Funkwellen verschrieben haben, seinen 20. Geburtstag. Zudem war es das 150. Treffen. Jürgen Klinner, einer aus der Radio-Runde und gelernter Rundfunk- und Fernsehtechniker, hatte jenes Schreiben dabei, mit dem Initiator Hanspeter Ruschepaul am 19. August 1992 zur ersten Zusammenkunft einlud. Damals waren es sieben Interessierte, heute treffen sich zehn bis zwölf Radiofreunde einmal monatlich im Brauhaus.
Ruschepaul, Jahrgang 1935 und von Klinner als „Seele unserer Gruppe“ bezeichnet, ist stets dabei. Worum die Gespräche kreisen? Um Radios und Ersatzteile, um Sammeln und Spaß an der Funkgeschichte.
Mit einem Koffer-Radio von 1966, das bereits auf der Basis von Transistoren, aber auch und im Batteriebetrieb arbeitete, wartete am Samstag Carsten Snethkamp auf. Der gelernte Radio- und Fernsehtechniker hatte ein Bajazzo de luxe dabei, von ihm selbst als „Mercedes unter den Kofferradios“ bezeichnet. Das Besondere an diesem Modell: Es war auch in Autos in Betrieb. Heute ist das aus Sicherheitsgründen höchstens noch in Oldtimern gestattet. „Dann könnte ich ihn ja in meinem Fiat 500 mitnehmen“, merkte Gruppenmitglied Tjark-Heyen Eilers, scherzend an.
Krystian Kryska hatte einen Lautsprecher aus Radio-Kindertagen in der Hand. Einen, den man von der Form her auch aus Abbildungen von Grammophonen kennt. „Es gab damals keine eingebauten Lautsprecher im Radio“, erläuterte der Bastler. „Aber schon Kopfhörer“, fuhr er fort und zeigte auf die Anschlusskabel am unteren Ende des historischen Lautsprechers.
Rudi Credé brachte Poesie mit, seine Ehefrau Grietje hatte die Geschichte der Gruppe in Reimen zusammengefasst. Das Gedicht endet mit den Versen: „Unsre Runde ist klein, die Freude ganz groß, es lebe der Stammtisch samt Radios.“



