„Baugebiet Ehmen-West nicht vor 2020“
Wolfsburg Die Ortsratsfraktionen sind entschieden gegen den Vorstoß der Verwaltung. Der einhellige Tenor: „Die Infrastruktur soll nicht überstrapaziert werden.“
Die Stadtverwaltung hat Ehmen-West als mögliches Baugebiet für die nächsten Jahre ausgegraben. Doch wie exklusiv berichtet, erteilten die Ratsherren Peter Kassel (CDU) und Ingolf Viereck (SPD) den am Dienstag im Strategieausschuss vorgestellten Plänen eine unmissverständliche Absage.
Die Einigkeit der beiden Ortsratsmitglieder gipfelte im Ausschuss in der Viereck-Aussage: „In dieser Sache passt zwischen uns kein Blatt Papier!“ Zuvor hatte er vor der Überlastung von Kindertagesstätten und Schulen gewarnt, und Kassel hatte auf die Gefahr einer Verschärfung der ohnehin angespannten Verkehrssituation hingewiesen.
Am Mittwoch legte Ortsbürgermeister Kassel nach: „Wir haben vor zwei Jahren bei der Beratung über den neuen Flächennutzungsplan gesagt, dass Ehmen-West mindestens bis 2020 zurückgestellt wird. Daran hat sich nichts geändert. Ich will das Baugebiet vor 2020 nicht weiter diskutieren.“ Er verwies auf die zunächst notwendige Integration der vielen Kerksiek-Neubürger und warnte vor einem Verkehrsinfarkt durch bis zu 400 neue Wohneinheiten. „Das ist keinem zuzumuten – das können wir ohne weitere Verkehrsmaßnahmen nicht verkraften.“ Ohnehin sei die Kerksiek-Nordtangente noch nicht komplett.
Ortsratsmitglied Viereck betonte am Mittwoch: „Wir haben mit dem Kerksiek einen gewaltigen Beitrag geleistet – jetzt geht es erstmal darum, die Menschen vernünftig zu integrieren und die Infrastruktur nicht überzustrapazieren.“ Das betreffe Kitas und Schulen, aber auch die ungeklärte Verkehrsproblematik.
Vize-Ortsbürgermeister Rüdiger Golz (PUG) lehnt Ehmen-West in naher Zukunft ebenfalls ab. „Es gibt noch kein Verkehrskonzept für Ehmen und Mörse, die Menschen leiden unter dem vielen Verkehr. Und dann noch ein neues Baugebiet – das halte ich nicht für zeitgemäß.“ Golz weiter: „Kitas und Schulen platzen aus allen Nähten.“ Zunächst müsse eine vernünftige Auslastung der Infrastruktur erreicht werden, erst dann könne man mit zeitlicher Verzögerung Lücken füllen, die sich ergeben, wenn der Kerksiek „abgearbeitet“ sei.
Eindeutig auch der Appell von Wilhelm Lieven junior (Grüne) an die Stadtverwaltung: „Wir haben erstmal genug Eigenheime – man kann eine Dorfstruktur durch einen Eigenheim-Brei auch kaputtmachen. Wir sind durch den Kerksiek als größtes Baugebiet Norddeutschlands genug belastet – lasst uns die Neubürger erstmal in Ruhe integrieren!“
