„Wir wollten die Frau rumkriegen“
Salzgitter Zwei Salzgitteraner (28, 22) müssen sich vor dem Landgericht Braunschweig wegen des Vorwurfs gemeinschaftlicher Vergewaltigung verantworten.
Opfer soll eine Frau aus Salzgitter gewesen sein. Nachdem die 22-Jährige fast zwei Stunden im Zeugenstand gehört worden war, fragte der Vorsitzende Richter nochmals: „Sie bleiben bei Ihrer Aussage? Sie wissen, was das für Folgen für die Angeklagten hat?“ Die Zeugin antwortete: „Ja, die beiden haben versucht, mich zu vergewaltigen.“
Als sie die Geschehnisse der Tatnacht vom 4. März dieses Jahres schildern sollte, sagte sie: „Ich pack‘ das nicht, wenn die hier sitzen.“ Daraufhin ermunterte sie der Vorsitzende Richter: „Versuchen Sie’s mal.“ Die Zeugin vermied es jedoch, die beiden Angeklagten anzuschauen.
Sie hatte, wie sie berichtete, die beiden Männer in besagter Nacht in der Kantine eines Gartenvereins kennengelernt, wo sie mit Bekannten verabredet war. Als ihre Freundinnen dann nach Goslar fuhren, sei sie zu Fuß in Richtung einer anderen Kneipe unterwegs gewesen. Den beiden Männern, die ihr gefolgt seien, habe sie gesagt: „Lasst mich in Ruhe.“
Die Beschuldigten hätten sie jedoch auf einen Parkplatz neben der Martin-Luther-Kirche gezogen, sie dort über die Schranke gehoben und gesagt: „Zier‘ dich nicht so.“ Der eine Angeklagte habe sie dann von hinten umschlungen. Der andere habe ihr von oben durch den Mantel an die Brust gefasst, in ihre Hose gegriffen und sei mit einem Finger in ihre Scheide eingedrungen.
„Ich habe immer wieder versucht, mich loszureißen“, berichtete die 22-Jährige im Zeugenstand. Schließlich sei es ihr gelungen, einem der Angeklagten mit einem Knie in den Unterleib zu treten und dem anderen in den Arm zu beißen. Dann sei sie weggelaufen.
Die beiden Männer seien ihr jedoch in eine Kneipe gefolgt. Dort habe sie ihren Freunden das Geschehen geschildert und später bei der Polizei in Salzgitter-Bad Anzeige erstattet.
Gleich zu Beginn des Verhandlungstages hatte der Vorsitzende Richter die Angeklagten gefragt, ob sie zu Geständnissen bereit seien. Das verneinten beide. Doch nach der Mittagspause setzte sich die Kammer nochmals mit den Anwälten zusammen und erzielte eine Verständigung.
Nachdem die Angeklagten eingeräumt hatten, der Tathergang könnte so gewesen sein („Wir wollten die Frau rumkriegen, sind dabei aber wohl etwas zu weit gegangen“), wurde ihnen ein angemessener Strafrahmen angekündigt.
Alle weiteren 13 Zeugen, die geladen waren, brauchen nicht mehr auszusagen, da die Beweisaufnahme bereits am Dienstagnachmittag geschlossen wurde. Am Freitag, 19. Oktober, 9 Uhr, sollen die Plädoyers gehalten und das Urteil verkündet werden.
