Seit 38 Jahren als Lebensretter unterwegs
Heere Kurt Beims verbindet als ehrenamtlicher Stauhelfer der Johanniter-Motorradstaffel zwei seiner Hobbys miteinander: Das Zweiradfahren sowie das Retten.
Der Motorradhelm liegt auf dem Schrank, die passende Jacke hängt griffbereit daneben. Der 62-jährige Kurt Beims arbeitet als Rettungsassistent im Bereich Service und Technik der Salzgitter AG. Aufgrund des Fünf-Schichten-Systems ist der Heerer häufiger tagsüber daheim als viele andere Arbeitnehmer. Doch Ehefrau Edeltraud muss ihren Mann teilen. Denn Beims ist nicht allein als Stau- und Unfallhelfer oft sechs bis zehn Stunden am Stück auf Autobahnen unterwegs, um liegengebliebene Fahrzeugbesatzungen zu sichern, wie beispielsweise eine südländische Familie, die den falschen Kraftstoff getankt hatte und auf dem Seitenstreifen der Braunschweiger Stadtautobahn ein Picknick veranstaltete. Beims erzählt schmunzelnd: „Ich bekam von denen gleich einen Tee angeboten und sollte mitessen.“ Doch stattdessen habe er aus Sicherheitsgründen sofort die Tafel aufgehoben.
In gleicher Funktion war Beims gerade beim Berlin-Marathon drei Tage im Einsatz, doch das Gros seiner Freizeit gehört seit 38 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr. Zwölf Jahre war er Ortsbrandmeister der Klein Heerer Wehr, die im Frühjahr mit der Groß Heerer Feuerwehr fusionierte (wir berichteten) und wie schon von 1891 bis 1938 wieder eine Einheit bildet.
„Wir haben an der Hainbergstraße und an der Beekstraße Feuerwehrhäuser und unterscheiden nicht mehr in Groß oder Klein Heere“, erzählt Beims, der schon in den 1990er Jahren versuchte, hierfür die Weichen zu stellen. Auf rund 30 Einsätze im Jahr kommt Beims als First Responder genannter Notfallhelfer- und -Versorger für die Freiwilligen Feuerwehren von Heere und Badeckenstedt. Das Gros davon seien Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen. Der Wart für Atemschutzgeräte und Gruppenführer der für die Wasserversorgung zuständigen Feuerwehrbereitschaft West versichert, dass seine Gruppe innerhalb von sechs Minuten sämtliche B-Rohre zu einer Wasserleitung über einen Kilometer verlegen und verbinden kann.
Beims ist für Atemschutzgeräte zuständig und obendrein Jugendwart der Wehr Sehlde/Heere. „Das tut gut, wenn die Kinder und Jugendlichen Rat annehmen und einen grüßen“, erzählt Beims. Zu seinen ungewöhnlichsten Einsätzen zählte das Einfangen von Rindern unweit Bierbaumsmühle. Diese 25 Tiere wechselten hungrig die abgeweidete Wiese, als sie nebenan leckeren Nachschub entdeckten.
Dass einmal auch eine Frau aus Heere unter den Unfalltoten auf der Bundesstraße 6 war, gehört zu den traurigen Momenten der langen Feuerwehrlaufbahn Beims. Er habe gelernt damit umzugehen und werde mitunter gar in seine Firma geholt, wenn es gelte, Mitarbeitern nach schweren Unfällen seelischen Beistand zu geben.
Der leidenschaftliche Hobby-Kicker aus der Hallendfußballgruppe des RSV Germania Heere hatte 1998 seinen Notfallkoffer dabei, als er noch vor dem Notarzt bei einem Unfallopfer auf der B 6 eintraf. Wahrscheinlich rettete Beims dem Mann das Leben, als er Infusionen legte und lebenserhaltende Maßnahmen einleitete.
Doch obwohl seine Feuerwehr über 47 Aktive und mehr als 30 Mitglieder in der Altersgruppe verfügt, denkt Beims noch lange nicht ans Aufhören. Er sagt: „So lange mich mein Ortsbandmeister nicht ausmustert und meine Gesundheit es zulässt, möchte ich auch in fünf Jahren noch eines unserer Fahrzeuge lenken und das Funkgerät bedienen.“



