Kaufhaus und Tageseinrichtung sind dritter Kirchturm im Ort
Baddeckenstedt Wo früher Möbel verkauft wurden, richtet die Caritas ein Fair-Kaufhaus ein. In Baddeckenstedt werden ab nächster Woche auch psychisch Kranke betreut
Aus der Kiefer-Kate wurde die Caritas. Deren Markenzeichen, ein Kreuz, prangt mittlerweile am Turm des Gebäudes an der Straße Zur Rast. Deshalb sagte Diakon Detlef Albrecht: „Baddeckenstedt hat jetzt drei Kirchtürme, einen katholischen, ein evangelischen und den der Caritas.“
Vor weit mehr als hundert Gästen übergab Pia Stapel von der Stiftung Behindertenhilfe der Caritas gestern den Schlüssel für dien Tagesstätte im Baddeckenstedter Ideen-Bahnhof an den künftigen Hausherrn Matthias Brungs. Hier sollen psychische Kranke, die in den eigenen vier Wänden leben, betreut und darauf vorbereit werden, wieder am Leben teilhaben zu können. Obendrein werden rund 50 Bewohner vom Judith-Wohnheim dort eine Arbeits- und Ergotherapie erhalten.
Das dritte Standbein des Ideenbahnhofs wird das Fair-Kaufhaus sein, in dem wie in Lebenstedt von der Caritas Möbel, Sportbekleidung, Haushaltgeräte und Computer für Menschen mit gefüllten und auch ganz schmalem Geldbeutel angeboten werden. Die Waren werden gespendet und aufgearbeitet, stammen aber auch aus Sonderposten.
Caritas-Geschäftsführer Andreas Janizki versicherte, dass auch die umliegenden Geschäfte vom Besucherstrom profitieren werden. Er sagte, diese Einrichtung sorge dafür, dass psychisch Erkrankte ein Stück Normalität erfahren und mitten in Baddeckenstedt Integration erleben können. Hieran knüpfte Jens Range an. Der Samtgemeindebürgermeister lobte, dass hier noch weit mehr Arbeit als die gut eine Million Euro in die Zukunft vieler Menschen investiert werde.
Nach dem Aus für die Zuckerfabrik und weil sich auch kein Nachfolger für das Möbelhaus Kiefer-Karte fand, unkten einige Bürger, dass nun die Lichter in Baddeckenstedt ausgehen würden. Die wurden widerlegt. 2000 Quadratmeter seien einer sinnvollen Nachnutzung zugeführt worden, versicherte Range.
Die Brandschutzauflagen hätten den Baubeginn noch verzögert, erinnerte der Samtgemeindebürgermeister. Ulrich Reinecke, der Leiter des Judith-Wohnheimes Ringelheim habe ihn mit seinen Visionen für die Nachnutzung schnell überzeugt.
Die Liedzeile des Tote-Hosen-Hits formte Baddeckenstedts Gemeindebürgermeister um zu „Baddeckenstedt braucht Wochen wie diese.“ Henning König erinnerte an den Spatenstich für das neue Polizeirevier an der Lindenstraße nur zwei Tage zuvor und dass der befürchtete Gebäude-Leerstand im ländlichen Raum keine Realität werde. König: „Alle haben Wort gehalten und eine nachhaltige Lösung für das frühere Möbelgeschäft gefunden.“ Hier würden künftig Menschen behütet, die ihr Leben derzeit nicht allein meistern können.
