Grusel oder Gebet – geht nicht auch beides?
Salzgitter In der Nacht zum 1. November muss man sich in Acht nehmen. Dann sind wieder Hexen und Teufel, Vampire, Geister und Zombies unterwegs.
Die einen feiern am 31. Oktober Halloween, die anderen begehen den Reformationstag. Und mancher tut auch beides. Propst Joachim Kuklik kann Halloween nicht viel abgewinnen. Als Spaß für die Kinder sei es in Ordnung. Streiche aber, wie zum Beispiel auf Türklinken gestrichener Senf, gefallen ihm nicht. „Das ist nicht lustig.“ Die längere Tradition sieht er zudem beim Reformationstag. Der geht auf Luthers 95 Thesen zurück, die er der Überlieferung nach 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat. Der Ursprung von Halloween ist nicht eindeutig geklärt, geht aber wahrscheinlich auf einen keltischen Brauch zurück. Sicher ist, dass er aus Irland mit Auswanderern in die USA gelangte. Seinen Siegeszug in Europa trat Halloween erst in den 1990er Jahren an.
Kuklik sieht zwischen Reformationstag und Halloween aber auch eine Verbindung. „Die Menschen spüren, dass es Bedrohungen in ihrer Umwelt gibt, die sie, ähnlich wie Geister, nicht so recht identifizieren können.“ Es spreche gar nichts dagegen, nach dem Gottesdienst, der am Reformationstag in der Regel am Abend stattfindet, die Kinder noch ein bisschen durch die Straßen ziehen zu lassen. Allerdings erinnert er die Eltern an ihre Aufsichtspflicht.
Die Streiche, die wahrscheinlich nicht nur dem Propst missfallen, sind zumindest in der Androhung ein Bestandteil des Halloweenfestes. Die Kinder ziehen von Haus zu Haus und rufen den Bewohnern zu: „Süßes oder Saures“. Gibt’s keine Leckereien, wird ein Streich gespielt. Gegen einen kleinen harmlosen Spaß gebe es nichts zu sagen, findet die Polizei. Allerdings ufere das Treiben auch manchmal aus. „Wenn beispielsweise Eier auf Putz geworfen werden, lässt sich das nicht immer problemlos entfernen. „Und das ist dann bereits Sachbeschädigung“, erklärt der Pressesprecher der Polizei Salzgitter, Björn Hirsch. Allerdings bekam die Polizei in den Vorjahren nicht allzu viel zu tun mit Geistern und Gespenstern. Dennoch werde die Polizei in der Nacht zu Donnerstag verstärkt unterwegs sein.
