Früherer Kumpel belastet angeklagten 21-Jährigen schwer
Lebenstedt Erinnerungslücken des Angeklagten, seines verurteilten Ex-Kumpels und vieler Zeugen erschwerten die Wahrheitsfindung vor dem Jugendschöffengericht.
Die Verhandlung wegen gemeinschaftlichen sexuellen Missbrauchs an einer mittels K.o.-Tropfen gefügig gemachten 15-Jährigen zog sich zudem in die Länge: Der Angeklagte sah sich bedroht, bat um Polizeischutz, eine Zeugin blieb unauffindbar, eine andere musste aus der Haft in Göttingen eskortiert werden und dann gab es auch noch testweise Feueralarm.
Angeklagt ist ein 21-jähriger Friseurlehrling aus Wolfenbüttel. Er soll am 27. Juli 2010 mit seinem damaligen Freund, einem geständigen und bereits verurteilten 23-jährigen Logistiker aus Thiede dessen damals 15-jährige Ex-Freundin in willenlosem Zustand zum Sex im Schlafzimmer gezwungen haben. Der Ältere wiederholte gestern seine Beichte: Vorsätzlich („Wir wollten sie durchnehmen“) hätten beide dem Opfer gegen Mitternacht in seiner Wohnung K.o.-Tropfen in den Drink gemischt, sie in halbschlafähnlichen Zustand versetzt, im Schlafzimmer gegen ihren Willen entkleidet.
Die Aussage belastete den angeklagten 21-Jährigen schwer. Der Übergriff sei dessen Idee gewesen, betonte der Thieder. Sein früherer Kumpel habe geholfen, die K.o.-Tropfen zu besorgen und zu verabreichen, vermutlich habe er das Opfer auch zum Oralsex gezwungen. „Ich mache keine Falschaussage – ich habe ja nichts mehr zu verlieren“, sagte der verurteilte Mann.
Der Angeklagte blieb bei seiner Unschuldsbeteuerung. Wie erstmals Ende August betonte der 21-Jährige, er habe im Einvernehmen mit dem bereits durch Drogen berauschten Mädchen auf dem Bett des Thieders „rumgemacht, sie geküsst und an ihren Brüsten gefummelt“. Doch dann habe sie sich bei ihm „ausgeheult“. Daraufhin sei er gegangen, zunächst aufs Klo, dann zwei Etagen tiefer zum Schlafen auf einem Sofa im Wohnzimmer. Verteidiger Michael Ebeling bekräftigte nicht nur die Aussage seines Mandanten, er sorgte sich auch um dessen Sicherheit, bat um einen Wachmann, der daraufhin an einem Großteil der knapp siebenstündigen Sitzung teilnahm.
Doch nicht nur der Thieder, auch Zeugen aus dem Familien- und Freundeskreis des Opfers belasteten den Angeklagten. Das offenbar traumatisierte Mädchen sagte nichtöffentlich aus. Die Sitzung wird am 22. November fortgesetzt.

