Er bringt den Schülern Teamgeist bei
Salzgitter Dennis Witte ist Schulsozialarbeiter im sozialen Brennpunkt. Vertrauen ist die Basis seiner Arbeit.
In der Klasse 3a herrscht Verwirrung. Eine stille. Denn reden ist nicht erlaubt. Die 17 Schüler der Grundschule Am See sprechen nur mit den Händen. Und die müssen viel bewältigen, viele Inhalte transportieren. Die Hände müssen fragen, wie die Hausnummer des jeweils anderen Schülers lautet. Und sie müssen dafür sorgen, dass sich ihr Besitzer am Ende nach der Höhe der Hausnummer richtig in der Reihe aufstellt. Von links nach rechts, von der niedrigsten zur höchsten Hausnummer. Kein leichtes Unterfangen für die Drittklässler. Und so steht am Ende nicht jeder an der richtigen Stelle.
„Welche Zeichen habt ihr gemacht? Welche waren wichtig?“, fragt Dennis Witte. Der 30-Jährige ist einer der acht im Mai von der Stadt neu eingestellten Schulsozialarbeiter (wir berichteten/siehe Kasten). Nach einer Einarbeitungsphase startet er nun voll durch, bietet etwa in den dritten und vierten Klassen das „Freundlich und fair“-Projekt an, das das Miteinander und das Verständnis füreinander fördern soll. Ein wichtiges Fazit der Schüler aus der Hausnummer-Übung: Man kann jemandem etwas zeigen, ohne andere zu stören.
Die Schulsozialarbeit – sie soll präventiv wirken und soziale Benachteiligung ausgleichen, sagt Bildungsdezernentin Christa Frenzel. Das hat sich auch Schulsozialarbeiter Dennis Witte auf die Fahne geschrieben. Denn seine Schule ist ein sozialer Brennpunkt. Von derzeit 285 Schülern haben 205 ausländische Wurzeln. „Die Sozialstruktur ist schwierig. Häufig fehlt es an der Unterstützung durch das Elternhaus. Darüber hinaus haben wir große Klassen“, sagt Schulleiterin Heike Neugebauer. Witte sorge dafür, „dass ungleiche Voraussetzungen bei den Schülern abgemildert werden“.
Bereits vor zwei Jahren war Neugebauer in die Offensive gegangen, hatte in der SZ geschildert, wie ihre Kollegen gegen sprachliche und soziale Probleme der Kinder ankämpften, und hatte erklärt: „Wir brauchen Hilfe.“ Die bekommt sie nun.
Sozialarbeiter Witte hat sich inzwischen eingearbeitet. Er bietet Sprechstunden an, hospitiert im Unterricht, hat sich mit Institutionen und Organisationen wie dem Jugendamt oder dem Seevierteltreff vernetzt, spielt in den Pausen mit den Kindern, vermittelt zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, bildet mit einer Sozialpädagogin Schüler zu Streitschlichtern aus und, und, und.
„Kennenlernen, vertrauen, kommunizieren, kooperieren“ – das beinhalteten Übungen zum Teamgeist. Das beinhaltet aber auch jeden Schritt von Wittes Arbeit. Ein wichtiges Kriterium dabei: die Schweigepflicht. „Ich erzähle nur etwas weiter, wenn der Schüler mich damit beauftragt“, sagt er. Und: „Ich baue ein freundschaftliches Vertrauensverhältnis auf. Ich bewerte nicht.“ Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Schüler ihn schnell akzeptiert haben. Mädchen und Jungen gleichermaßen.



