Das Amt des Ortsheimatpflegers blieb in der Familie
Haverlah Seit 41 Jahren ist Gustav Bruer Haverlahs Ortsheimatpfleger. Ihn interessieren besonders archäologische Ausgrabungen rund um seinen Heimatort.
Wahrscheinlich mehr als 1400 Jahre alt ist die Silberfibel, ein Schmuckstück alter Germanen, die Gustav Bruer in einer kleinen, weißen Schatulle aufbewahrt. Sein Vater Gustav hatte den Silberschmuck gefunden, Jahre bevor auf dem Gelände Im Weiler gegenüber der Pascheburg Windkrafträder errichtet wurden. Der Archäologe Dr. Michael Geschwinde vom Landamt für Denkmalpflege in Braunschweig wertet die Funde von Buntmetall und Keramikscherben als Beweise dafür, dass sich dort noch weit vor dem frühen Mittelalter Hofstellen befunden haben müssen.
„Mich faszinieren vor allem Ausgrabungen“, sagt Gustav Bruer. Der 71 Jahre alte Landwirt ist seit 1971 Haverlahs Ortsheimatpfleger, als er diese Aufgaben von seinem verstorbenen Vater übernahm. Nur wenig später wurde der damals 30-Jährige offiziell Haverlahs erster ehrenamtlicher Ortsheimatpfleger. Obendrein war er 30 Jahre Vorsteher der Feldinteressentenschaft, Jahrzehnte im Kirchenvorstand sowie Mitglied im Gemeinderat.
Trotz dieser vielen Ämter fand Bruer Zeit, eine mindestens 250 Meter lange Sandsteinmauer um sein Grundstück zu errichten. – „Ein Werk fürs Guinnessbuch der Rekorde“, erzählt Bruer schmunzelnd. Obendrein schrieb er innerhalb von nur drei Monaten die mehr als 400 Seiten umfassende Ortschronik, die 1995 zur 1000-Jahr-Feier des Ortes in einer Auflage von 500 Stück aufgelegt und verkauft wurde.
Bruer ist viel und weit gereist – unter anderem kurz nach dem Tod von Chinas Staatsführer Mao Zedong 1976 ins Reich der Mitte. Das nüchterne Aneinanderreihen von Amtsinhabern oder Jahreszahlen zählt er nicht zu den Höhepunkten seines Amtes. Stattdessen hofft Bruer, dass er von Bürgern Bilddokumente und Schriftstücke zum Auswerten erhält. „Die gibt es selbstverständlich sofort zurück, dank PC sind diese schnell gescannt und archiviert“, versichert der Ortsheimatpfleger, der noch keinen Nachfolger aufgebaut hat. Bruer: „Im Idealfall sollte diese Frau oder dieser Mann deutlich jünger sein, damit eine weitere längere Amtszeit folgt.“
