Aus Kelly-Family-Zeiten ist nur ein Tisch geblieben
Lebenstedt Jimmy Kelly kehrt am 8. November mit „Viva la Street“ in die Kulturscheune zurück.
Alle Wege führen nach Rom – oder wieder nach Salzgitter. Gut zwei Jahre nach seinem Gastspiel mit „My Hometown“ kehrt der Sänger und Songwriter Jimmy Kelly mit seinem neuen Programm in die Kulturscheune zurück. SZ-Volontär Jan-Michael Schürholz sprach mit dem Musiker über seine Tour und die Straßenmusik.
Die Kelly Family ist den meisten nach wie vor ein Begriff. Wie kommt es, dass Sie nach dem großen Erfolg mit der Gruppe jetzt wieder auf der Straße musizieren?
Das ist im Grunde mein eigentliches Leben, meine Berufung als Musiker. Mein erster Job mit der Kelly Family war im Alter von sechs oder sieben Jahren auf der Straße. Die Straße war in einem Großteil der 1970er- und 80er-Jahre unsere eigentliche Bühne. Jeder von uns, der mitmachen wollte, musste etwas dazu beitragen. Ich hatte den Hut in der einen Hand und in der anderen ein Tamburin. Erst im Jahr 1994 hatten wir den Durchbruch mit „An Angel“. Das war für uns so etwas wie ein Lotto-Gewinn im Showbusiness. Bis dahin aber waren wir gute 15 Jahre Straßenmusiker in großen Teilen Europas, Skandinaviens und Nordamerikas. Hier fühlte ich mich aber auch immer wohl.
Können Sie das genauer beschreiben?
Die Straße war und ist mein Schicksal. Am Anfang war das vielleicht eher negativ, doch später positiv. Ich habe als Kind nie die Straße gewählt. Aber ich bin auch nie wirklich zur Schule gegangen. Die Straße ist das, was ich kenne. Im Showbusiness der 90er-Jahre fühlte ich mich fehl am Platze. Das war ein riesen Hype um uns. Der Erfolg war zwar aufregend, aber auch erschreckend. Ich konnte damals kein richtiges menschliches Leben führen. Vor sechs Jahren bin ich dann wieder zurück auf die Straße gegangen. Erst einmal aus Not.
Warum aus Not?
Obwohl wir als Kelly Family in den 90er-Jahren ein Vermögen gemacht haben, was für viele Bands selten ist, hatte ich am Ende fast gar nichts übrig. Wir haben pro Jahr gut 200 Millionen D-Mark eingenommen, von denen wir gut 50 Millionen behalten konnten. Aus dieser Zeit habe ich bis heute eigentlich nur einen Tisch. Der mir noch nicht einmal ganz gehört.
Wie kam dies?
Nun, wir sind ja eine Familie und mit Eigentum – nun, ich hatte nie mein eigenes Konto. Ich bin ein bisschen wie ein Hippie oder Zigeuner aufgewachsen. Unser Motto war immer „Einer für alle, alle für einen“. Wir haben versucht, ein Ideal zu leben. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass dem doch nicht so war. Vielleicht war ich damals auch einfach zu naiv. Aber auch mein Vater war kein wirklicher Geschäftsmann. Er war eher ein Künstler, ein Philosoph. Wir hatten zwar viele Einkommen, aber auch viele Ausgaben. Immerhin hatten wir auch bis zu 200 Angestellte.
Also entschieden Sie sich dahin zurückzukehren, wo Sie angefangen haben ...
Ja, mir war klar, dass die Straße Cash bringen kann. Sicher, ich hätte auch kellnern können. Doch Musik ist, was ich kann. Bist du gut, kriegst du einen Euro, das kenne ich.
War es schwer auf der Straße wieder Fuß zu fassen?
Ja, das erste Jahr war sehr, sehr schwer für mich. Zunächst habe ich gedacht, das kann nicht wahr sein. Ich spiele genau dort, wo ich mit der Familie vor wenigen Jahren im Fußballstadion aufgetreten bin. Damit hatte ich natürlich viele Tage mit mir selbst zu kämpfen. Ich erlebte Höhen und Tiefen, doch nach etwa sechs Monaten merkte ich, dass es eine ganz neue Chance für mich allein ist.
Inwiefern war es eine neue Chance?
Ich erhielt die Gelegenheit, vieles wieder kennenzulernen, was wir verlassen hatten. Unsere wahre Berufung als Musiker. Denn meiner Meinung nach waren wir in der großen Musikszene – mit Bravo, Viva und MTV – fehl am Platze. Das war eigentlich nie die Kelly Family. Kann ich bis zu den 90ern noch einiges respektieren, war gerade im großen Erfolg vieles kommerziell. Uns ging es damals so wie vielen anderen Stars auch heute noch. Auf der Straße habe ich dann immer wieder andere Musiker kennengelernt. Du triffst sie einfach. Inzwischen haben wir so eine Art Patchwork-Family geschaffen. Wenn wir gemeinsam auftreten, stehen wir inzwischen zu acht auf der Bühne. Alle sind Charaktere, die ich auf der Straße getroffen habe. Aber, auch meine Frau ist heute mit dabei. Ich finde unsere Band ist sehr geil.
Das vollständige Interview lesen Sie in der Salzgitter-Zeitung am Samstag.
Service: Jimmy Kelly tritt mit seiner Band am Donnerstag, 8. November um 20 Uhr in der Lebenstedter Kulturscheune, Thiestraße 22, auf.
Karten für seine „Viva la Street“-Tour sind im Service-Center unserer Zeitung, In den Blumentriften, im Post&Ticketforum in der Wolfenbütteler Straße 33, Thiede, sowie in der Petershagener Straße 22, Salzgitter-Bad, oder im Internet unter: www.reservix.de, www.tickets.de und unter www.jimmykelly.de erhältlich.
Die Karten kosten im Vorverkauf 20 Euro, zuzüglich Vorverkaufsgebühr. An der Abendkasse sind die Karten für 23 Euro erhältlich.

