Zwei 15-Jährige wurden unwissentlich zu Schwarzfahrern
Peine Zwei 15-Jährige wurden trotz gekaufter Tickets als Schwarzfahrerinnen aufgeschrieben – sie wussten nicht, dass sie das Ticket hätten entwerten müssen.
Ruhigen Gewissens und mit einem Ticket seien sie in Dollbergen in den Zug nach Hannover gestiegen, sagen zwei 15-jährige Peinerinnen. Ausgestiegen sind die Zwillinge dennoch als Schwarzfahrerinnen. Denn sie hatten ihre Tickets nicht entwertet.
Nelly Hu berichtet: „Wir sind ausnahmsweise von Dollbergen aus nach Hannover gefahren. Sonst fahren wir immer von Peine aus.“ Und in Peine könne man ohne die Tickets abzustempeln in den Zug steigen.
Und so stiegen sie auch in Dollbergen in den Waggon, ohne die gerade gekauften Karten vorher zu entwerten – und erhielten wenige Minuten später vom Kontrolleur wegen Schwarzfahrens einen erhöhten Fahrpreis über je 40 Euro ausgestellt.
„Wir haben dem Schaffner gesagt, dass wir nicht wussten, dass man die Tickets hätte entwerten müssen, weil wir das sonst nie mussten“, sagt Nelly Hu. Der Kontrolleur habe ihnen das jedoch nicht geglaubt und gesagt, in jedem Bus und jeder Bahn müssten die Tickets entwertet werden.
Xiang-Ming Hu, Vater von Nelly und Sally, sagt: „Auf dem Bescheid steht ‚ohne Fahrkarte‘, dabei hatten sie doch eine Fahrkarte gekauft.“ Er finde, dass ein solches Versehen nicht genauso wie Schwarzfahren ohne Fahrschein behandelt werden sollte.
Das Problem sei wohl entstanden, weil dort die Verkehrsverbundgrenze verlaufe, sagt Deutsche-Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. „Von Peine nach Hannover gibt es DB-Fahrkarten, die man nicht entwerten muss. Von Dollbergen aus gilt der GVH-Tarif.“ Und in den Tarifbestimmungen des Großraum-Verkehr Hannover sei geregelt, dass Fahrkarten vor Fahrtantritt zu entwerten seien.
„Ich glaube den beiden, dass sie das nicht wussten, wenn sie sonst immer von Peine fahren. Aber der Kontrolleur hat absolut richtig gehandelt“, sagt Meyer-Lovis. Schließlich stehe auf den Tickets deutlich, dass sie zu entwerten seien. Einen Kulanz-Spielraum hätten Kontrolleure in dieser Situation nicht.
Weitere Konsequenzen drohten den beiden 15-Jährigen nicht. „Wenn die 40 Euro gezahlt werden, wird das Verfahren eingestellt. Bei Wiederholungstätern kommt es allerdings zur Anzeige“, sagt Meyer-Lovis.
Die Jugendlichen könnten sich aber innerhalb von 14 Tagen an den DB Vertrieb wenden und den Sachverhalt dort nochmals schildern. „Die Kontaktdaten stehen auf den Bescheinigungen über das erhöhte Entgelt“, sagt Meyer-Lovis. Über die Erfolgsaussichten könne er aber nichts sagen.
Eine mildere Behandlung gegenüber Schwarzfahrern ohne Ticket sei nicht möglich. „Schließlich ist eine Fahrkarte, die nicht abgestempelt wurde, jederzeit nutzbar.“
