Vom langen Schweigen und leisen Abschiednehmen einer Mutter
Peine Lange hat Ute Grüger still um ihre in der Schwangerschaft verstorbenen Kinder getrauert. Heute unterstützt sie Betroffene in einer Selbsthilfegruppe.
Es ist fast 30 Jahre her, dass Ute Grüger ihr erstes Kind in der Schwangerschaft verlor, vor 22 Jahren erlitt sie ihre dritte Fehlgeburt. Noch heute quält sie, wie viele Eltern mit ähnlichen Schicksalen, der Verlust ihrer Kinder – und immer wieder die eine Frage: „Warum ist das mir passiert?“
Trotz zwei gesunder Kinder – „die Trauer um die, die ich verloren habe, brach lange Zeit immer wieder auf“, sagt die 56-Jährige. Damals habe es keine Möglichkeit gegeben, Fehlgeburten zu bestatten. „Sie waren einfach weg.“ Heute ist das anders. „Alles Leben ab 500 Gramm ist bestattungspflichtig“, erklärt Ute Grüger. Doch dann gibt es noch die Kinder, die so früh in der Schwangerschaft sterben, dass sie dieses Gewicht nie erreichen. „Nichts, was mal gelebt hat, sollte auf den Müll“, sagt sie. Doch genau dorthin kämen diese Kinder. „Sie würden noch immer mit dem Klinikmüll entsorgt, wenn es in Peine nicht diesen Platz für sie gäbe...“
Mit der Grabstätte für die Lichtkinder auf dem Friedhof an der Gunzelinstraße ging für Ute Grüger im Frühling 2005 ein großer Traum in Erfüllung. „Davor war ich auf der Suche nach einem Ort zum Trauern. Und nach Menschen, denen es ähnlich ging...“
Unverstanden, allein und hilflos habe sie sich gefühlt, als sie ihr erstes Kind völlig unerwartet in der
16. Schwangerschaftswoche verlor. „Warum ist mein Kind gestorben?“, habe sie damals ihren Arzt gefragt. Seine Antwort macht Ute Grüger noch heute, 28 Jahre später, wütend: „Machen Sie sich nicht verrückt, es war doch nur Embryonalgewebe...“ Und es war ein Kind, ein Junge.
Seit sieben Jahren begleitet die Erzieherin ehrenamtlich Frauen und Männer mit ähnlichen Schicksalen, und weiß: „Die Betroffenen haben keine Lobby.“ Denn der Tod sei noch immer ein Tabuthema, der Tod von Kindern noch viel mehr.
Zu Anfang wollten viele „einfach nur weg. Sie wollen ihr totes Kind nicht sehen, nicht anfassen, nichts wissen. Dabei ist das so wichtig für den Abschiedsprozess.“ Seien diese Hemmschwellen überschritten, bedeutet ihre Arbeit vor allem eines: Zuhören. Doch auch der Austausch in Einzel- und Gruppengesprächen sei wichtig: „Ich bin keine ausgebildete Therapeutin, kann aber von meinen Erfahrungen erzählen.“
Sich verstanden zu fühlen, gemeinsam zu weinen, das helfe ihr und auch vielen anderen Betroffenen, glaubt die 56-Jährige. Die Altersspanne der Frauen und Männer, deren Schicksal sie in den vergangenen Jahren kennengelernt hat, ist groß. „Manchmal kommen auch Betroffene, die ihre ungeborenen Kinder vor vielen Jahren verloren haben.“ Ein traumatisches Erlebnis, das viele ein Leben lang beschäftige...
Den vollständigen Text lesen Sie am Samstag in den Peiner Nachrichten.
Hintergrund: Viermal im Jahr finden die Beisetzungen der Lichtkinder auf dem Friedhof an der Gunzelinstraße statt – 15 Kinder wurden in diesem Jahr bereits dort begraben. Die nächste Beerdigung ist für den 16. November geplant. Zudem soll es künftig regelmäßige Gesprächsrunden für Betroffene geben. Denn wenn ein Kind viel zu früh zur Welt gekommen ist und nicht leben durfte, brauchen die Eltern Zeit und Raum zum Trauern. Die Selbsthilfegruppe „Lichtkinder“ der Hospizbewegung trifft sich am Montag, 5. November, um 19 Uhr im Trauerhaus Peine, Gunzelinstraße 31. Das Treffen ist offen für neue Teilnehmer. Gesprächsinhalte und Schicksale der Betroffenen bleiben anonym. Weitere Termine in Absprache mit Ute Grüger unter: (0 51 71) 98 93 74.



