Starke Jungen fördern, die auch Schwäche zeigen können
Edemissen Eine Gruppe nur für Jungen ist bei der Gemeindejugendpflege am Montag gestartet. Es gibt viel Raum zum Ausprobieren, Toben und Lernen.
Am Kickertisch ist am Montag die Jungengruppe der Gemeindejugendpflege gestartet. Doch Kickern war nur der Anfang. Nach kurzer Zeit haben die fünf Jungen ihr erstes Projekt begonnen: Vogelhäuschen bauen.
Gemeindejugendpfleger Ralf Poersch sagte zu den Jungen: „Ich möchte im nächsten Jahr mit euch in den Heidepark fahren. Das Geld dafür wollen wir selber verdienen.“ Die Ideen dafür sprudelten promt: Jeremy schlug vor, Fensterbilder zu basteln, Paul kamen Tonengel in den Sinn, Leonard Weihnachtskekse, Felix‘ Idee waren die Vogelhäuschen. Und Ralf Poersch lieferte eine weitere: Fahrräder reparieren, die niemand im Fundbüro der Gemeinde abgeholt hat. Auf dem Weihnachtsmarkt am 8. Dezember sollen die Vogelhäuschen und weitere Dinge dann verkauft werden.
Wichtig ist Poersch eines: „Ihr müsst das alles selbst ausprobieren. Ihr macht es und fragt, wenn ihr Hilfe braucht.“ Und so sprangen die Jungen nach der kurzen Vorstellung – „Ich bin Poerschi“ – auf und rannten in die Werkstatt, wo sie damit loslegten, Strategien für ihre Vogelhäuschen zu entwickeln.
Seit rund 15 Jahren gebe es die Jungengruppe, sagte Poersch. Nach einem viertel Jahr Pause ist sie nun erneut gestartet. „Die Jungs können hier sagen, was sie machen wollen. Natürlich wird viel getobt.“ Fußball, auch Spielen mit der Wii-Videospielekonsole ist erlaubt, aber nur in der Gruppe, vor dem Computer dürfen die Jungs nur eine halbe Stunde sitzen.
Poersch wendet sich mit dem Angebot an Jungen ab der 3. Klasse. „Bis zur 5./6. Klasse haben die Jungen häufig nur Frauen als Vorbilder im Kindergarten und der Schule. Ich dachte, ich packe das in der Freizeitgestaltung mal an.“
Poersch betreut die Gruppe, die beispielsweise auch dieses Ziel hat: Lernen, gewaltfrei Konflikte zu lösen. „Die Jungen müssen auch lernen, verlieren zu können, die Leistung des anderen zu akzeptieren.“ Und es gehöre auch dazu, formulieren zu können, Angst zu haben. „In diesem Alter können die Jungen das noch.“ Aber sie kämen automatisch an den Punkt, wo sie sich nicht mehr alles gefallen lassen und härter würden. „Aber dazu werden sie erst gemacht.“ Bei der Jungengruppe jedoch könnten sie auch Schwächen zeigen und wenn sie nicht weiterwüssten, einfach nachfragen: „Keine Frage ist zu doof.“
•Die Jungengruppe trifft sich immer montags von 15 bis 16.30 Uhr in den Jugendräumen der Eltzer Drift. Weitere Informationen gibt Gemeindejugendpfleger Ralf Poersch unter der Telefonnummer (0 51 76) 2 61.
