Spritziger Theaterabend in Peine
Peine Mit einem klugen und frechen Spiel über den Krieg der Geschlechter begeisterte „Der dressierte Mann“ rund 400 Zuschauer in den Peiner Festsälen.
Da zappelt er nun, fuchtelt wie wild um sich herum und denkt, er sei ein unabhängiges Wesen: Der dressierte Mann. Dabei merkt er gar nicht, dass er an unsichtbaren Marionettenfäden hängt, die die gemeine Frauenschar um ihn herum sicher in ihren Händen zu führen meint. „Sein Leben ist ja doch nichts anderes als die Abfolge von Dressurkunststückchen“, hört man der Mütter Urteil über Sohn und vermeintlichen Schwiegersohn.
Beim Theaterabend am Freitag stimmte fast alles: vom spritzigen Engagement der Schauspieler bis zur witzigen Inszenierung. Allen voran rissen die beiden großen Damen des deutschen Schauspiels, Karin Dor (als Luxus-Nur-Gattin im Chanel-Outfit) und Marianne Rogée (als radikale Feministin im grauen Anzug), mit ihren humorvollen und teils bitterbösen Bemerkungen das Publikum zu Szenenapplaus hin. Auch Stephan Schleberger (Bastian) und Martina Dähne (Helen) als deren Kinder, deren Ehe ins Haus stand, ließen nichts auf sich kommen. Nur die Bühnendeko wirkte etwas fade.
Komödienautor John von Düffel hatte das gleichnamige berühmt-berüchtigte Buch von Ester Vilar als Vorlage genommen und ihr Spiel mit den Klischees über die Geschlechterrollen auf amüsante Weise umgedreht: Er ließ die Kinder einer radikalen Feministin und einer luxusverwöhnten Nur-Gattin aufeinander los.
Ausgerechnet an dem Abend, als Bastian seiner Angebeteten bei einem romantischen Abendessen einen Heiratsantrag machen möchte, kommt Helen zu spät nach Hause. Der Chef hat ihr den begehrten Posten angeboten, auf den Bastian selbst gehofft hatte. Doch welcher Mann verträgt es schon, wenn die Frau Karriere macht und er nicht? Während Helen versucht, zu versöhnen, hecken die beiden Mütter und anfänglichen Kontrahentinnen dann doch mit dem Töchterchen gemeinsam einen verwegenen Plan aus, um Bastian gefügig zu machen.
Das alles ließ in eineinhalb Stunden Aufführung keinen Hauch von Langeweile aufkommen. Aber trotz aller Schnelligkeit war nicht zu übersehen, dass der Schluss des Stückes nicht in einem großen Resümee über Feminismus und Emanzipation bestand, sondern aus einer winzigen Geste: Mit einem kleinen, frechen Augenzwinkern verabschiedete Helen die Zuschauer in den Abend.


