Reflexfolien gegen Wildunfälle – B 214 ist Versuchsstrecke
Edemissen Neuartige Reflexfolien sollen Wild vom Straßenverkehr fernhalten. Der Landkreis richtet mit der Jägerschaft eine Versuchsstrecke an der B 214 ein.
Über 500 Wildunfälle gab es im vergangenen Jahr im Landkreis Peine. Ein Unfall-Schwerpunkt ist die Bundesstraße 214, die nun zur Versuchsstrecke wird. Mit neuen Reflexfolien an Leitpfosten soll Wild besser vom Verkehr ferngehalten werden.
Passieren Autos die Strecke, reflektieren die Streifen in Richtung Straßengraben. Durch die Rundung des Leitpfostens wird das Licht diffus gestreut. In anderen Landkreises habe diese Methode schon Erfolge erzielt. Sabine Heider vom Landkreis Peine sagte gestern beim Anbringen der ersten Folien: „Im Kreis Hameln-Pyrmont haben sich damit nach einem Jahr die Wildunfälle drastisch reduziert.“
Davon soll auch der Landkreis Peine profitieren, der in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft die Pilotstrecke auf der B 214 einrichtet. 26 Wildunfälle gab es dort im vergangenen Jahr. Leitpfosten auf drei Kilometern zwischen Rietze und der Kreisgrenze werden in den kommenden zwei Wochen mit den neuen Folien beklebt. Die Entwicklungen werden über Jahre beobachtet.
An unfallträchtigen Strecken sind schon viele Methoden ausprobiert worden, beispielsweise blaue Reflektoren, die an den Pfosten angeschraubt werden, oder solche mit zusätzlich akustischem Signal. Letztere kosteten pro Stück rund 80 Euro und seien wegen der Technik auch Ziel für Diebe, sagte Heider. Die Reflexfolien seien günstiger und langlebiger als Warnreflektoren, die beim Säubern der Pfosten schon einmal abbrächen.
Finanziert werden die Folien vom Landkreis. „25 000 Euro werden jedes Jahr aus dem Überschuss der Geschwindigkeitskontrollen für Verkehrssicherheitsmaßnahmen zur Verfügung gestellt, ein Teil davon zur Prävention von Wildunfällen.“
Für Jagdpächter sind Wildunfälle eine persönliche Belastung. Sie werden gerufen, wenn es gekracht hat – bei Tag und Nacht. Jagdpächter Marcel Lüer sagt, dass es jedoch einen weit wichtigeren Punkt gibt: „Wir sind Jäger, aber auch Pfleger. Und durch die Wildunfälle wird das Biotop dramatisch gestört.“
Aufmerksamkeit ist gefragt. Kreisjägermeister Ulrich Graf von Hardenberg sagte: „Die Reflektoren funktionieren hervorragend, aber nur bis zu einer bestimmten Geschwindigkeit.“ Vor allem bei Strecken mit dem Hinweisschild „Wildwechsel“ ist eine Richtgeschwindigkeit von 60 bis 70 Stundenkilometern einzuhalten. Die größte Gefahr besteht in der Morgen- und Abenddämmerung, während der Nacht und bei Nebel. Besonders aufmerksam müssen Fahrer in der Herbstzeit und im Frühjahr sein. Der Vorsitzende der Jägerschaft Peine, Axel Rühmann, betonte aber auch: „Wildunfälle gibt es ganzjährig.“
