Reden sorgten für jede Menge Zündstoff beim Martiniessen
Peine 300 Gästen verbrachten einen interessanten Abend mit kritischen Reden, toller Musik und schmackhaftem Essen. Adolf Stöhr verabschiedete sich.
Fast fünf Stunden Reden, tolle Musik und schmackhaftes Essen - und kein bisschen Langeweile. Mit temperamentvollen Beiträgen und vielen scharfen gesellschaftspolitischen Tönen riss das Martiniessen des Peiner Freischießens seine Gäste mit.
Vor allem die Reden sorgten für jede Menge Zündstoff. So erntete Henning Heiß, Erster Kreisrat, zahlreiche Buhpfiffe nach seinen Worten: „Unsere Blitzgeräte sind eine sinnvolle Einrichtung zur Erhöhung der Verkehrssicherheit“, hatte er mit ernster Miene erklärt. Das sahen viele der 300 Zuhörer im voll besetzten Saal des Bürger-Jäger-Heims anders. Bürgerschaffer Thomas Weitling merkte daraufhin an: „So soll es sein. Das Martiniessen ist dafür da, dass sich Bürger kritisch, aber auch fair gegenüber Verwaltung, Politikern und gesellschaftlichen Themen äußern.“
So konnte sich auch Heiß aufrechten Hauptes in die wohlige Umgebung seines Platzes zurückziehen. Dort erwarteten ihn ein kühles Getränk, schmackhafte Hochzeitssuppe und pikant-geschmorte Ochsenbacken sowie weitere Rednerbeiträge. In denen flogen einigen Betroffenen noch ganz andere rhetorische Geschosse als ihm um die Ohren. Damit die nicht ganz so „schmerzhaft einschlugen“, versorgte die MSG Peine-Ilsede die Gäste immer wieder mit harmonischen musikalischen Einlagen.
Bürgermeister Michael Kessler nahm sich die Wohlstandsgesellschaft vor, die große Freiheit für alle mitbringe, wie er meinte. „Aber viele fühlen sich den Herausforderungen des Lebens nicht gewachsen.“ Er wandte sich beunruhigt an die Jugend: „Wir brauchen neue Antworten, vielleicht einen neuen Gesellschaftsvertrag.“
Feurig auf ganz eigene Weise zeigten sich die Redner Adolf Stöhr und Gerolf Haubenreißer sowie Filmemacher Günter Kerzel an diesem Abend. Kerzel nahm wie in den vergangenen Jahren in einem kleinen Filmkunstwerk gesellschaftspolitische Ereignisse in Peine aufs Korn. Haubenreißer sprach vor allem über weltpolitische Ereignisse. Stöhr lieferte „kalauernde, boshafte Gemeinheiten zum Mikrokosmos Peine, der Metropole zwischen Edemissen und Ilsede“. Stöhrs Auftritt war der unumstrittene Höhepunkt des Abends, den er mit einem großen Wermutstropfen versah. „Dies ist mein letzter Auftritt in dieser Runde“, sagte er. Dafür gab es stehende Ovationen und ein Geschenk von den Bürgerschaffern.
Dann traten Stefan Honrath und Werner Mix als Neulinge an das Rednerpult. Beide sprachen in wohlgereimter Versform mit manch ironischen Untertönen. Mix plauderte munter über das Korporationsleben und die Fahrt der Peiner zum diesjährigen Europa-Schützenfest ins polnische Tuchola. Honrath ließ mit akrobatischer Leichtigkeit die Verse purzeln und sprach scherzhaft - ironisch über „Kunst in Peine und so manchen Eventquark“.

