Poetry Slam in Vechelde – Vordere Plätze für burleske Reden
Peine Acht Vorträge hörten die rund 50 Gäste im Vechelder Jugendzentrum am Bahnhof. Überwiegend Jugendliche bewerteten die Beiträge, aber auch einige Eltern
Ernsthaft, amüsant, kritisch. Laut, leise, monoton, zittrig. Beim ersten Vechelder Poetry Slam thematisierten die Jugendlichen ganz unterschiedliche Rubriken und drückten sich auf ihre Weise aus. Am besten gefielen dem Publikum allerdings die spaßhaft gestimmten Beiträge - die beiden Erstplatzierten hatten jeweils burleske Reden verfasst.
Insgesamt acht Vorträge hörten die rund 50 Gäste im Vechelder Jugendzentrum am Bahnhof. Überwiegend Jugendliche bewerteten die Beiträge, aber auch einige Eltern - so wie die von Sören Dirksen-Thedens. „Wir sind das erste Mal bei einem Poetry Slam unseres Sohnes dabei“, berichtete Mama Sieglinde ein wenig aufgeredet. Doch bis zum Auftritt ihres Kindes mussten sich die Vechelder gedulden: Er stellte seinen Beitrag als Achter vor. Und so lauschte die Mama zunächst dem Aufsatz von Matthias Faska zum Thema „Freiheit und eigene Meinung“. Er stellte sich und den Gästen unter anderem die Frage, was verkehrt daran sei, nicht immer Bescheid zu wissen, nicht immer eine Meinung zu haben.
Nach jeder Rede hatten die Gäste die Möglichkeit, in Form einer Zahl, den Beitrag zu bewerten: Jede Stuhlreihe erhielt durchnummerierte Karten von eins bis zehn, wobei zehn die höchstmögliche Note war. So beriet sich auch Reihe vier nach jedem Stück. Sieglinde Dirksen-Thedens erklärte beispielsweise nach Vortag eins: „Er hat das gut gemacht, man konnte den Gedanken gut folgen. Außerdem ist anzuerkennen, dass er sich als erster Prüfling auf die Bühne getraut hat.“ Die anderen „Jurymitglieder“ nickten - und entschieden sich schließlich für die Neun.
Einen überzeugenden Auftritt legte Philip Gemke, dessen Bruder Louis die Veranstaltung organisiert hat, hin: Er stellte von Beginn an klar, dass er dem Publikum eigentlich gar nichts zu sagen habe. Er habe einen Text mit Inhalt und Stil schreiben wollen. So wie eine Packungsbeilage - „aber wer liest die schon?“ Auf witzige Art nahm er die Besucher ein. Und rundete seinen Vortrag ab mit den Worten: „Wenn ich euch schon nichts zu sagen habe, dann wollte ich doch wenigstens das abgefahrenste T-Shirt tragen. Das sagt doch alles und irgendwie doch auch nichts?“, erklärte der junge Mann aus Bortfeld und strich noch einmal über das schwarze Shirt mit weißer Skelettabbildung. Das Publikum quittierte die Rede mit kräftigem Lachen und honorierte den runden Vortrag mit hoher Punktzahl. Reihe vier war sich schnell einig, viel zu diskutieren gab es da nicht - eine Neun.
Konkurrenz machte Gemke schließlich Sören Dirksen-Thedens, der von seinen kuriosen Versuche berichtete, endlich das Cool-Sein zu erlangen. Seine Eltern hielten sich bei der anschließenden Beratung lieber zurück - Papa Ingo sagte stattdessen zu seiner Ehefrau: „Ich hoffe, die meisten erzählten Dinge sind fiktiv.“ Ihr Sohn konnte sich indes nach der Abstimmung über Rang zwei freuen.
„Um den Sieg ging es den Teilnehmern aber weniger. Es geht viel eher darum, sich selbst zu behaupten. Es geht um den Austausch von Gedanken und Gefühlen zwischen den Künstlern und dem Publikum“, erklärte Organisator Louis Gemke, der die Dichterschlacht als Kulturveranstaltung in Vechelde etablieren möchte.


