Nostalgische Filmreise mit bösen Patzern im Dreivierteltakt
Groß Bülten Das Duo „Die Kleene und ihr Pianist“ versprachen einen unvergesslichen Musikabend im Groß Bültener Hof. Am Ende waren die Zuschauer verärgert.
Am Anfang war es noch wirklich nett: Mit der für viele Gäste unvergesslichen Musik aus einem der ersten deutschen Tonfilme „Melodie des Herzens“ begann das Musik-Duo „Die Kleene und ihr Pianist“ ihr Konzert. Doch im zweiten und dritten Teil der Vorstellung jagte ein musikalischer Patzer den nächsten.
Im schwarzen Anzug, stilgerecht zur Zeit der 20er Jahre, begrüßte Sängerin Dorothea Wilke aus Bortfeld die Gäste mit den Worten: „Kommen Sie mit auf eine turbulente, aber auch nachdenkliche Reise durch die Anfangsjahre des deutschen Tonfilms.“ Währenddessen wartete ihr Mann Thomas am Keybord auf seinen Einsatz. Eingeladen hatte der Kulturverein Ilsede. 70 Gäste blickten von großen runden Tischen im ansprechend eingerichteten Saal auf eine Bühne, die mit einer Litfaßsäule mit alten Kinoplakaten und einer nachgebauten Mikrofon-Attrappe die Atmosphäre vergangener Zeiten vermittelte.
Im Hintergrund auf einer großen Leinwand waren Szenen aus den ersten deutschen Stummfilmen zu sehen. Fröhlich lächelten Willy Fritsch und Lilian Harvey ins Publikum, kniff Heinz Rühmann frech-verschmitzt die Augen zusammen.
Dorothea Willke legte sich im ersten Drittel ihres musikalischen Kinobesuches mächtig ins Zeug. Galant-elegant sang sie Lieder des deutschen Tonfilmschlagers von Willy Fritsch über Marlene Dietrich über Zarah Leander bis hin zu Hans Albers. Zweimal wechselte sie die Garderobe, trat in bunten stilechten Abendkleidern auf.
Nach dem ersten Drittel des Konzertes mehrten sich die Fehler. Immer wieder verspielte sich Pianist Willke. Zunächst kaum hörbar, doch dann für jeden deutlich. Aus dem Publikum hieß es in der Pause: „Hoffentlich wird das besser.“ Wurde es aber nicht, im Gegenteil. Die Patzer häuften sich. Immer wieder schienen sich die Tänzer auf den Filmplakaten im Hintergrund nicht mehr im Dreivierteltakt zu drehen, sondern bei dieser Musik über ihre eigenen Füße zu stolpern. Trotzdem gab es neben mäßigem Applaus einige Rosen aus dem Publikum und einen Blumenstrauß von den Veranstaltern - und eine Zugabe.

