Kritik an Vorlage der Stadt zu Straßennamen-Erläuterungen
Peine Fünf Straßenschilder, deren Namen nach heutigem Wissen nicht uneingeschränkt gewürdigt werden können, sollen Erläuterungen erhalten.
Über acht Straßennamen in Peine hatte die Lokalpolitik diskutiert, weil sie auf Namen oder Ereignisse verweisen, die als historisch „belastet“ im Gespräch sind. Nun sollen fünf davon Erläuterungen erhalten. Der Historiker Jens Binner kritisiert das Vorgehen der Stadt.
Der Verwaltungsentwurf sieht Erläuterungen für die Albert-Sergel-Straße, Hindenburgstraße, Sedanstraße, den Ina-Seidel-Weg und Goltzplatz vor (siehe Fakten). In ihrem Antrag hatten die Grünen zudem Erläuterungen für die Tannenbergstraße in Dungelbeck und die Neusalzer Straße in Woltorf gefordert, diesen jedoch zurückgezogen, als Peines Bürgermeister Michael Kessler einen Verwaltungsentwurf anbot. Linke-Ratsherr Jürgen Eggers war mit einem Antrag auf Umbenennung der Richard-Langeheine-Straße im Rat der Stadt gescheitert. Günter A. Miehe, der als damaliger Grünen-Fraktionsvorsitzender im Sommer den Antrag eingebracht hatte, sagt auf Anfrage unserer Zeitung: „Ich denke, die restlichen Straßen wird der Bürgermeister nicht als mehrheitsfähig angesehen haben.“ Miehe bedauert, dass die Vorlage einen Beschluss im Verwaltungsrat vorsieht. „Wir hätten eine Abstimmung im Stadtrat bevorzugt.“
Der Ilseder Historiker Jens Binner kritisiert den Umgang der Stadt mit Straßennamen. „Generell ist das Verfahren intransparent“, sagt Binner. Es sei nicht nachvollziehbar, welches Gremium über die Erläuterungen entschieden habe.
Insbesondere den Umgang mit der Richard-Langeheine-Straße (wir berichteten) kritisiert er. „Mit der Abstimmung gegen eine Umbenennung wurde die öffentliche Diskussion abgewürgt. Jetzt taucht die Straße bei den Erläuterungen nicht auf.“
Dabei sei seiner Meinung nach nach dem heutigen Kenntnisstand eine Umbenennung der Straße angemessen. „Langeheine war ein Jahr Kreisleiter und Oberbürgermeister in Stolp und dort der höchste NS-Vertreter. Als einer von nur 800 Kreisleitern gehörte er zur Elite des Systems.“ Er kenne keine Äußerung nach 1945, mit der sich Langeheine mit seiner Vergangenheit kritisch auseinandergesetzt habe.
„Die Benennung einer Straße nach einer Person ist einer der höchsten Ehrungen, die eine demokratische Gemeinschaft vergeben kann.“ Dies solle rundum vorbildhaften Persönlichkeiten vorbehalten bleiben. „Das ist im Fall Langeheine stark anzuzweifeln“, so Binner.
„Der Auftrag an das Amt Bildung und Kultur, für die Schilder zu den in der Vorlage genannten Straßen zu sorgen, wird derzeit umgesetzt“, teilt Stadt-Sprecherin Karin Richter mit. Eine sorgfältige Formulierung stehe hier an oberster Stelle.
„Der Auftrag, auf der Homepage der Stadt Straßennamen ergänzend zu erläutern wird mittelfristig bearbeitet werden“, sagt Richter. Dies hatten die Grünen in ihrem Antrag zusätzlich gefordert. „Dabei ist unter anderem die Frage zu klären, welche Straßen überhaupt zu erläutern sind.“ Das Amt Bildung und Kultur müsse nun alle Straßennahmen im Einzelnen durchgehen, Kriterien für die Beurteilung entwickeln. „Dies ist nicht von heute auf morgen zu erledigen. Dieser Auftrag wird daher schrittweise erledigt.“
Wie mit der Richard-Langeheine-Straße weiter verfahren werden soll, konnte Richter gestern nicht sagen.

