Kirchturm trägt Kalkspatzen-Putz und ein Stahlträger-Korsett
Bortfeld Die Sanierung der Bortfelder St.-Georg-Kirche steht vor dem Abschluss.
Nein, ein Verhüllungskünstler war es nicht, der die Bortfelder St.-Georg-Kirche mit Sackleinen zugehängt hat. Das „Kleid“ dient vielmehr dazu, dass der historische Putz langsam trocknet.
Die kleinen weißen Pünktchen im Putz sind mit bloßem Auge gut zu erkennen. „Es sind Kalkspatzen“, erklärt Friedrich Brendel, Kirchenvogt der Bortfelder St-Georg-Kirche. Viele Stunden verbringt er auf der Baustelle – und ist während der Renovierungsphase der Kirche ganz Fachmann geworden.
Kalkspatzen, erklärt er, nenne man die Kalkknöllchen im historischen Mörtel, mit dem die Kirche verputzt wurde. „Wenn sich irgendwann Risse bilden, nehmen die Kalkspatzen Feuchtigkeit auf und verschließen die Risse wieder“, erklärt der Kirchenvogt weiter. Und weil der historische Kalkspatzen-Putz langsam trocknen müsse, sei die Kirche mit dem Sackleinen verhüllt worden.
Risse – davon hatte die Bortfelder Kirche vor ihrer „Kur“ jede Menge. „An der Ostseite, über dem Kirchenschiff, waren die größten Schäden“, aber auch an den anderen drei Seiten des Turms sei Handlungsbedarf gewesen. „Die Westseite war kritisch.“
Wenn die St-Georg-Kirche bald wieder ohne Sackkleid und Gerüst dasteht, wird die „Beule“ noch zu sehen sein, mit der alles anfing: im Februar 2010 hatte der Kirchenvogt sie entdeckt. Daraufhin prüften Statiker die Kirche, Schallmessungen wurden gemacht, Schwingungsgutachten erstellt und Kernbohrungen vorgenommen. Mit Hilfe moderner 3-D-Lasertechnik wurde ein Gutachten erstellt. Es ergab, dass die „Beule“ 15 Zentimeter tief ist und dass sich im Mauerwerk mehrere Risse gebildet hatten. Und es stellte sich heraus, dass der gesamte Glockenstuhl nicht ordnungsgemäß befestigt war. „Das hatte aber nichts mit der Beule zu tun“, erklärt Friedrich Brendel.
Nachdem der Glockenstuhl saniert war, ging es mit dem Mauerwerk weiter: Balken wurden erneuert und der Turm erhielt auf jeder Ebene eine Stahlträger-Versteifung.


