Immer weniger Reinigungskräfte im Kreis Peine
Peine Putzen ist ein Knochenjob. Gebäudereinigungsfirmen und Privatleute im Kreis Peine haben zunehmend Schwierigkeiten, Putzkräfte zu finden.
Knapp 700 Raum- und Gebäudereiniger arbeiten im Landkreis Peine, das geht aus Rechnungen der Agentur für Arbeit hervor (Stand Juni 2011). Auf Minijob-Basis kommen noch einmal etwa 800 hinzu. Nicole Beimes ist eine von ihnen. Seit vier Jahren geht die 41-jährige Peinerin für eine Firma putzen – in Schulen, Bürogebäuden, in Kindergärten und Altersheimen, in Arztpraxen. Sie selbst nennt sich „Putzfee“. „Wenn es Leute wie mich nicht gebe, würde niemand den Dreck wegmachen“, sagt Beimes.
Aber: Das Image der Reinigungskräfte sei schlecht, sagt Marc Trossen. Er ist Geschäftsführer einer Gebäudereinigungsfirma im Landkreis, die etwa 200 Mitarbeiter beschäftigt – „99 Prozent sind Frauen“, sagt Trossen und klagt: „Ob Männer oder Frauen, wir haben seit zehn Jahren Probleme, Mitarbeiter zu finden.“ Ein Grund sei die geringe Wertschätzung ihrer Arbeit, glaubt der Unternehmer.
Hinzu kommen extrem frühe oder späte Arbeitszeiten und eine geringe Vergütung: Zwischen 8,82 und 9,38 Euro brutto verdienen Reinigungskräfte pro Stunde, je nach Region – und wenn sie nach Tarif bezahlt werden.
Nicole Beimes geht trotz des geringen Verdienstes putzen. Auch sie wird nach Tarif bezahlt. Schwarz zu arbeiten komme für sie nicht infrage: „Ich habe gehört, da verdient man nur 6, 7 Euro die Stunde.“ Ihre Friseurlehre musste sie einst wegen Allergien abbrechen, eine andere Ausbildung hat sie nicht gemacht. „Aber arbeitslos und abhängig sein, das wollte ich nicht.“ Erst schlug sie sich mit Gelegenheitsjobs durch. Als vor sechs Jahren ihr Sohn zur Welt kam, ging das nicht mehr. „Mein Mann arbeitet im Schichtdienst und ich wollte für unser Kind da sein.“
Seitdem arbeitet Nicole Beimes als Reinigungskraft – zu Zeiten, in denen die meisten anderen Menschen noch schlafen: Zwischen 5 und 7 Uhr morgens greift sie in einer Turnhalle zu Eimer und Wischmopp, danach bringt sie ihren Sohn zur Schule. „Das frühe Aufstehen fällt mir manchmal schwer.“ Dennoch – sie putze gerne, sagt Beimes.
Vielerorts werde die Putzkraft nicht als Teil des Unternehmens anerkannt – und das sei ein Problem, findet Unternehmer Trossen: „Gespräche zwischen Reinigungskraft und Firma sind wichtig. Wie sollen die Mitarbeiter sonst erfahren, dass der Schreibtisch aufgeräumt sein muss, wenn er geputzt werden soll und dass die Reinigungskraft nicht dafür zuständig ist, den Kabelsalat unter dem Schreibtisch zu entwirren, um dort putzen zu können?“
Wegen des Personalmangels müsse er zahlreiche Aufträge ablehnen. Ändern werde sich das nur, wenn sich auch die Situation der Reinigungskräfte verbessere, glaubt Trossen. „Sie wollen nach Mindestlohn vergütet werden, vernünftige Arbeitszeiten, Kontakt zum Unternehmen.“ Und letztlich vor allem eines: „Anerkennung für ihre Arbeit.“
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